Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft

DFG-Forschungsprojekt: Fachmedien und Fachöffentlichkeiten in der politischen Kommunikation

Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens ist die Beobachtung, dass sich die Kommunikationswissenschaft gemäß ihrem Selbstverständnis zwar mit den sozialen Bedingungen, Bedeutungen und Folgen von medialer, öffentlicher und interpersonaler Kommunikation insgesamt beschäftigt, dabei aber meist bestimmte Medien und eine bestimmte Form von Öffentlichkeit im Blick hat. Dieser Fokus liegt auf Massenmedien, die allgemein (general interest) und gesellschaftsweit verbreitet sind. Zweitens wird der Begriff der öffentlichen Kommunikation meist auf die allgemeine (Medien-)Öffentlichkeit bezogen. Eher vernachlässigt werden hingegen andere, stärker spezialisierte Medien sowie eingeschränktere Formen von Öffentlichkeit.

Der Gegenstand dieses Forschungsvorhabens ist vor diesem Hintergrund eine ‚Etage tiefer‘ angesiedelt: Fachmedien sind (in einer Arbeitsdefinition) alle Formen von themen- oder fachspezifischen Publikationen, sei es in Form von Fachzeitschriften oder fachspezifischen Online-Medien, die zur Mitteilung oder Rezeption spezialisierter Informationen oder Botschaften genutzt werden. Fachöffentlichkeiten sind themenspezifische Teilöffentlichkeiten, an denen im Unterschied zur allgemeinen Medienöffentlichkeit nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft teilnehmen, sondern Fachleute. Fachmedien und Fachöffentlichkeiten sind in verschiedenen Teilbereichen der Gesellschaft relevant, so in der Wissenschaft, der Technik, dem Recht, einzelnen ökonomischen Branchen etc. Das Forschungsvorhaben fokussiert auf den Bereich der politischen Kommunikation, in dem Medien und die durch sie hergestellte Öffentlichkeit eine für die Demokratie notwendige Vermittlungsfunktion wahrnehmen.

Die übergeordnete Fragestellung des Forschungsvorhabens lautet daher: Welche Bedeutungen haben Fachmedien für die Struktur von Fachöffentlichkeiten in der politischen Kommunikation, und wie unterscheiden sich Fachmedien und Fachöffentlichkeiten in ausgewählten Politikfeldern?

Methodisch basiert das Forschungsvorhaben auf einer Analyse von vier Politikfeldern: Agrar- und Gesundheitspolitik stehen dabei für eher „alte“ korporatistische Vermittlungsstrukturen, Familien- und Netzpolitik für „neue“ bzw. offenere Politikfelder.
Im ersten Arbeitsschritt werden mit Hilfe einer teilstandardisierten Befragung die Fachöffentlichkeiten in den ausgewählten Politikfeldern und ihre relevanten Fachmedien erfasst. Dabei wird auch eine Liste von besonders häufig genutzten und als relevant erachteten Fachmedien erstellt, deren Themen- und Akteurstruktur im zweiten Arbeitsschritt mittels Inhaltsanalyse untersucht wird. Den dritten Arbeitsschritt bildet eine Systematisierung der Fachmedien anhand ihrer medialen und organisatorischen Eigenschaften sowie Funktionen für die Fachöffentlichkeiten in den untersuchten Politikfeldern. Damit leistet das Forschungsvorhaben einen wichtigen Beitrag zur kommunikations- und politikwissenschaftlichen Diskussion um neue Formen der Interessenvermittlung im „Postkorporatismus“.

Laufzeit

Oktober 2015 – September 2018

Finanzierung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektteam

Projektleitung: Prof. Dr. Patrick Donges
Projektmitarbeiter: Fabian Grenz, M.A.
Wissenschaftliche Hilfskräfte: Juliane Gerstenberg, B.A.; Carla Schmidt, B.A.

Kontakt

Universität Leipzig 

Institut für Kommunikations-und Medienwissenschaft

Lehrstuhl Kommunikationswissenschaft 

E-Mail: fabian.grenz@uni-leipzig.de