Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft

Lehr- und Forschungsgebiete

In der Abteilung für Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft werden Lehrveranstaltungen zu den folgenden Gegenständen angeboten:

Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Bei den Lehrveranstaltungen handelt es sich in erster Linie um einführende Seminare und Vorlesungen, die grundlegende Kenntnis der Begriffe, Fragestellungen und Modelle sowie die zentralen Ergebnisse der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft vermitteln. Wissen über die Grundstrukturen des deutschen sowie internationaler Mediensysteme kann in den Lehrveranstaltungen ebenso erworben werden wie die für das Studium notwendigen Fertigkeiten und Methoden des kommunikationswissenschaftlichen Arbeitens.

Kommunikationsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

Unser gegenwärtiges System öffentlicher Kommunikation ist das Ergebnis eines langen historischen Prozesses: Politische, ökonomische, technische, kulturelle und soziale Faktoren haben die Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Kommunikation vor allem in den beiden vergangenen Jahrhunderten in einem komplexen Wechselspiel vorangetrieben. Ein fundiertes Verständnis gegenwärtiger Strukturen, Funktionen und Formen von Kommunikation setzt daher Fachwissen über die historische Entwicklung von gesellschaftlicher Kommunikation und von Mediensystemen notwendig voraus. In den Veranstaltungen dieses Lehrgebietes wird darüber hinaus grundlegendes Methodenwissen (Quellenkunde und -kritik, Hermeneutik) vermittelt.

Geschichte der Kommunikations- und Medienwissenschaft

Die Kommunikations- und Medienwissenschaft ist eine vergleichsweise junge Geistes- und Sozialwissenschaft, die sich aus einer Reihe unterschiedlicher Traditionen speist. Zu ihren Vorläufern gehören insbesondere "Zeitungskunde", "Zeitungswissenschaft" und "Publizistik"; inzwischen dominieren empirisch ausgerichtete sozialwissenschaftliche Ansätze. Die Lehrangebote zu diesem Themenfeld unterrichten über die Geschichte und Protagonisten des Faches, seine Ansätze und Theorien sowie die sich wandelnden Forschungsfelder, Fragestellungen und Methoden. Außerdem wird die Geschichte des Faches und seiner Theoriebildung international vergleichend beobachtet.

Kommunikationstheorie und -soziologie

Gegenstand der Kommunikationstheorie ist die Klärung der Frage, was Kommunikation ist und was unterschiedliche Formen menschlicher Kommunikation (interpersonale Kommunikation, Telekommunikation, öffentliche Kommunikation) auszeichnet. Kommunikationstheorien erklären, wie und unter welchen Bedingungen die Verständigung zwischen Menschen gelingt. Die Kommunikationssoziologie richtet ihr Augenmerk vor allem auf gesellschaftliche Bedingungen, Funktionen und Folgen von Kommunikation auf Mikro-, Meso- und Makroebene. In engem inhaltlichen Bezug hierzu steht das folgende Lehrgebiet.

Öffentliche Meinung / Theorie der Öffentlichkeit

Die historische Entwicklung von Öffentlichkeit und die Bildung Öffentlicher Meinung besitzen herausragende Bedeutung für das menschliche Gemeinwesen, insbesondere für demokratische Gesellschaften. Kommunikation, vor allem die öffentliche Kommunikation mittels Massenmedien (Publizistik) spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Der Kampf um die öffentliche Meinung und die eng damit verbundene politische Macht, der rationale Diskurs über Sachfragen sowie die Funktionen und Strukturen von Öffentlichkeit stehen im Mittelpunkt dieses Lehrgebietes, in dem unterschiedliche Theorieansätze systematisch und vergleichend behandelt werden.

Kommunikations- und Medienethik

Weil Kommunikation wie das gesamte soziale Handeln auf andere Menschen bezogen ist, stellt sich die Frage der Verantwortung. Grund- und Menschenrechte (z.B. Menschenwürde, Freiheit, Gleichberechtigung), ethische Normen (z.B. Wahrheit, Objektivität, Wahrhaftigkeit) und Kommunikationsfreiheiten (Meinungsfreiheit, Berichterstattungsfreiheit, Informationsfreiheit) sind durch ökonomische und politische Interessen sowie institutionelle und professionelle Defizite zumindest latent bedroht. Der Medienethik wird einerseits eine wachsende Bedeutung für die Selbststeuerung der Medien zugeschrieben, andererseits legen die anhaltenden Debatten über bestimmte Formen der Berichterstattung und der medialen Unterhaltung offen, dass medienethische Grundsätze in der Kommunikations- und Medienpraxis oftmals eine nachrangige Rolle spielen. Die Ethik der Medien und der Kommunikation bindet sich an die Soziologie der Öffentlichkeit, aber auch an die Ethik der interpersonalen Kommunikation, z.B. in der interkulturellen Kommunikation.

Kommunikationsrecht / Medienrecht

Gesellschaftliche Kommunikation wird durch eine Fülle von Gesetzen reguliert, deren grundlegende Kenntnis für Kommunikations- und Medienwissenschaftler ebenso unerläßlich ist wie für Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter. Die rechtlichen Vorschriften prägen nicht nur die Kommunikationsprozesse (Presserecht, Strafrecht, Jugendschutz usw.), sondern auch die Grundordnung unseres Mediensystems (Medienverfassungsrecht: Grundgesetz, Staatsverträge).

Internationale Kommunikations- und Medienpolitik

Staaten, internationale Organisationen und andere politische Akteure prägen nicht nur das Mediensystem einzelner Länder, sondern sie versuchen Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung internationaler Kommunikation. Im Zeitalter von europäischer Integration und sog. Globalisierung gewinnen supra- und internationale Akteure an Bedeutung für die öffentliche Kommunikation. Ein weiterer Schwerpunkt der Lehrveranstaltungen bildet die vergleichende Beschreibung und Analyse verschiedener nationaler Mediensysteme.