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14.02.2019

Dr. h.c. Günter F. Thiele begeht seinen 85. Geburtstag

Wir gratulieren Dr. h.c. Günter F. Thiele, dem Mäzen und Mentor der PR-Forschung an der Universität Leipzig, zu seinem heutigen 85. Geburtstag. Günter Thiele, der in Düsseldorf lebt, hat die moderne PR-Beratung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt. Die Universität Leipzig hat ihm im Mai 2002 die Würde eines Dr. h.c. aufgrund seiner Verdienste um die Entwicklung der Public Relations und um die PR-Wissenschaft in Deutschland verliehen. Er ist zudem Ehrenpräsident der Gesellschaft Public Relations Agenturen e.V. (GPRA).

Günter Thiele wurde am 12. Februar 1934 in Bitterfeld geboren. Dort bestand er auch das Abitur. Nach einjähriger Tätigkeit als Hilfsschmelzer in den Kupfer- und Bleihütten in Eisleben und Hettstedt studierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Germanistik, Psychologie und Philosophie) und erlangte ein Diplom der Philosophischen Fakultät. Sein beruflicher Werdegang führte ihn zunächst in den Journalismus zum Sender Leipzig des DDR-Radios. Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1959, zwei Jahre vor dem Mauerbau, arbeitete er zunächst als „Werksjournalist“ in der internen Kommunikation bei Henkel in Düsseldorf und danach als Texter und Cheftexter bei der Werbeagentur R. W. Eggert. Ab 1968 war Thiele Mitinhaber und Geschäftsführer der PR-Agentur ABC Presse-Information. Diese Agentur baute er in den folgenden Jahrzehnten zum damals größten und marktführenden Kommunikations-Dienstleister in Deutschland aus. Unter den zuletzt 175 Mitarbeitern an Standorten in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Berlin und München waren auch viele derjenigen, die in späteren Jahren und bis heute die Branche mit eigenen Agenturen geprägt haben, beispielsweise Ralf Hering, Bernd Schuppener und Egbert Deekeling.

Nach dem Verkauf seiner Agenturgruppe an die internationale Eurocom-Holding engagierte sich Thiele ab den 1990er Jahren für die PR-Forschung, die damals im deutschsprachigen Raum erste Ansätze einer Institutionalisierung zeigte. Er war Mitgründer der „Stiftung zur Förderung der PR-Wissenschaft an der Universität Leipzig“ und stattete diese großzügig mit Kapitalmitteln aus. Die Stiftung wurde 2014 zur Günter Thiele Stiftung (http://www.guenter-thiele-stiftung.de/) weiterentwickelt. Sie fördert Forschungsvorhaben und Publikationen, die historische PR-Forschung, darunter das pr-museum.de (https://pr-museum.de), ist international tätig, hat die Projektträgerschaft für die „Akademische Gesellschaft für Unternehmensführung und Kommunikation“ (http://www.akademische-gesellschaft.com/) und die Organisation und Projektträgerschaft des Centers for Research in Financial Communication an der Universität Leipzig.

Die Stiftung und die Akademische Gesellschaft haben sich vor allem dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern und Wissenschaftlern verschrieben. Der Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis wird so durch viele Projekte gefördert. Mit dem Engagement von Dr. h.c. Günter F. Thiele hat die Leipziger PR-Forschung und Ausbildung nationales und internationales Renommee erlangt.

Günter Thiele im Interview auf die Frage, was Praktiker von Wissenschaftler lernen können und umgekehrt:

„Während meiner Agenturzeit ist mir immer wieder aufgefallen, dass in Diskussionen über Maßnahmen oder Konzepte rein subjektiv argumentiert wurde: ‚Dieses finde ich gut oder jenes finde ich nicht gut.‘ Wir PR-Leute brauchen aber neben subjektiven Einschätzungen auch eine theoretische und wissenschaftliche Basis, deren Entwicklung glücklicherweise in den letzten Jahrzenten stark vorangebracht wurde. Aber auch die Forschung braucht zur Planung und Orientierung das Feedback aus der Praxis. Gute Beispiele dafür sind Forschungsprojekte wie der European Communication Monitor oder Value Creating Communication.“

Und auf die Frage nach den Zukunftsperspektiven der Günter Thiele Stiftung:

„Die Günter Thiele Stiftung ist für mich mein Haupterbe, ich habe keine direkten Nachkommen. Deswegen freue ich mich, wenn ich einen Teil meines Vermögens im Einverständnis mit meiner 2013 verstorbenen Frau Anita Thiele für die Ausbildung des Nachwuchses und vor allem für die Weiterentwicklung von Forschung und Ausbildung im Public Relations-Bereich übermitteln kann.“