Geschichte: Schwer erstrittener Boden

Karl Bücher und sein Studienprogramm

Im Kriegsjahr 1916 wurde das erste deutsche Institut für Zeitungskunde an der Universität Leipzig gegründet. Die Zeitungskunde, so wie sie von Bücher vorgezeichnet wurde, verbreitete sich bald auch auf andere  deutsche Universitäten. Eine Wissenschaft, die sich durch ihre Gegenstände und spezifische Berufsorientierung gegen andere abgrenzte, war geschaffen worden. 1921 wurde sie als Haupt- und Promotionsfach in der Philosophischen Fakultät anerkannt.

Karl Bücher und sein Studienprogramm

Everths Zeitungskunde - eine Integrationswissenschaft

Fünf Jahre später wird Erich Everth (1878-1934), der Wiener Korrespondent des liberalen „Berliner Tagesblattes“, erster ordentlicher Professor für Zeitungskunde. Mit 128 Studierenden verfügte die Universität Leipzig im Wintersemester 1932/33 nach der Berliner Universität über die zweitgrößte zeitungskundliche Einrichtung Deutschlands.

Everth war der einzige Zeitungswissenschaftler, der sich nach der nationalsozialistischen Machtergreifung öffentlich gegen die Presseverbote der neuen Machthaber aussprach. Sein Plädoyer für die Erhaltung der Pressefreiheit in einem Vortrag am 19. Februar 1933 musste er mit dem Verlust seines Lehrstuhls bezahlen. Offiziell wurde er aus gesundheitlichen Gründen emeritiert.

Everths Zeitungskunde - eine Integrationswissenschaft

NS-Zeit: Journalisten als Hilfsmänner der Politik

1934 gelangte der Berliner Zeitungswissenschaftler Hans A. Münster  (1901-1963) auf den Lehrstuhl. Seiner Auffassung nach hatten Journalisten das totalitäre Regime zu stabilisieren und wurden somit zum „Hilfsmann des Politikers“.

NS-Zeit: Journalisten als Hilfsmänner der Politik

Die Zeitungswissenschaft im Dienst sozialistischer Praxis

Auf den wissenschaftlichen und materiellen Trümmern, die der Nationalsozialismus auch in Leipzig hinterließ, nahm die weitere Entwicklung des Instituts für Zeitungswissenschaften ihren Lauf. Von 1946 bis zum Ende der DDR sollte die Universität Leipzig die einzige bleiben, an der eine akademische Journalistenausbildung betrieben wurde. Der Neuanfang des Fachs hatte zwei institutionelle Wurzeln. Die eine bildete ein Institut für Publizistik an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät unter der Leitung von Gerhard Menz (1885-1954). Die andere Wurzel bildete ein gleichnamiges Institut der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät, welche die marxistisch-leninistische Grundausbildung zu leisten hatte. Leiter dieses Instituts war Hermann Budzislawski (1901-1978). Im Jahr 1954 führten die internen Veränderungen und enorme Wachstumsprozesse zu der Neugründung einer eigenständigen Fakultät für Journalistik. Für die Lehre galt weiterhin eine starke Betonung der Orientierung an der „sozialistischen Praxis“.

Die Zeitungswissenschaft im Dienst sozialistischer Praxis

Nach der Wende: eine Neugründung mit Hindernissen

Nach der Wiedervereinigung wurde am 20. Februar 1991 Karl Friedrich Reimers (geb. 1935), damals Ordinarius für Kommunikations- und Medienwissenschaften in München, als Dekan des Fachbereichs berufen. 

Reimers und seine Mitarbeiter/innen hielten den Lehrbetrieb in der Umbruchszeit aufrecht und das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft wurde ins Leben gerufen. Dies war nicht zuletzt auch den Studierenden zu verdanken, die sogar zum Mittel des Hungerstreiks griffen um gegen die Abwicklung des Instituts zu protestieren.

Die Gründungszeremonie für das neue Universitätsinstitut der Alma Mater Lipsiensis fand am 2. Dezember 1993 statt.

Nach der Wende: eine Neugründung mit Hindernissen

1998 hieß es dann aber schon wieder umziehen für das Institut. Von den Büroräumen im „Uniriesen“ – dem Hochhaus auf dem geschichtsträchtigen Augustusplatz – ging es in die Klostergasse 5.

Mittlerweile findet man allerdings das Institut in der Burgstraße 21. Seit 2003 beherbergt der Gebäudekomplex, wo einst Martin Luther und Johann Sebastian Bach in ein Gasthaus einkehrten, die Dozenten und Studenten der „Kommunikations- und Medienwissenschaft“ – schwer erstrittener Universitätsboden.

 

Von Arnulf Kutsch und Stefanie Averbeck