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Aktuelle Meldungen des IfKMW

16.05.2010

Nachruf für Walther von La Roche, Honorarprofessor der Leipziger Journalistik

Zunächst als Lehrbeauftragter, dann - von 1996 bis 2006 - als Honorarprofessor war der Journalist und Fachbuchautor Walther von La Roche an unserem Institut tätig, hat den Aufbau des Uni-Radios Mephisto 97.6 wesentlich mitgetragen und den Diplomstudiengang Journalistik während vieler Jahre tatkräftig unterstützt. In der zweiten Maiwoche ist er in München nach längerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben.

Walther von La Roche; Foto: BR-ArchivUnsere Journalistengeneration kannte ihn lange bevor er nach Leipzig kam – als „der La Roche“. Dieses Etikett galt dem Hand- und Lehrbuch  „Einführung in den praktischen Journalismus“, welches erstmals 1975 erschien und bis heute 18 Auflagen erlebte  – und das damals das erste, lange auch einzige Grundlagenbuch für die journalistische Praxis war: ein Pilot sozusagen.

Wegweisende Pilotfunktionen hat Walther von La Roche, studierter Jurist und damals Leiter der Hörfunk-Nachrichtenredaktion des Bayerischen Rundfunks, immer wieder übernommen, insbesondere für die Journalistenausbildung: für den Rundfunknachwuchs zuerst, aber auch für die Jungjournalisten der Deutschen Journalistenschule und die Volontäre in den überbetrieblichen Akademien.  Wegweisend war auch die von ihm herausgegebene Reihe „Journalistische Praxis“, in der Branche wegen der Buchfarbe „gelbe Reihe“ genannt: Erfahrene Journalisten schrieben in einem von ihm speziell entwickelten Layout über praktisch alle Tätigkeitsfelder des Journalismus nutzwertige To-do-Anleitungen. Fast jeder Journalist ist auf diesem Wege mit dem „La Roche“ in bereichernder Weise in Kontakt gekommen.

Walther von La Roches reiche Lehrerfahrungen und seine hohe Fachkompetenz im Bereich Hörfunk veranlassten uns Mitte der 90er Jahre,  ihm zunächst die Vertretung des Lehrstuhls II der Journalistik anzutragen. Mit großem Engagement übernahm er diese Aufgabe bis 1998 und wechselte dann in die Rolle des Honorarprofessors für Rundfunkjournalistik. Fünf Jahre später musste er sich aus gesundheitlichen Gründen von „Leipzig“ zurückziehen.

Was einen guten Journalisten auszeichne, war für unseren Kollegen Prof. La Roche sonnenklar: Er solle die Öffentlichkeit so zutreffend wie möglich über die relevanten Vorgänge ins Bild setzen und dabei sein Publikum nicht langweilen, sondern in gewinnender Weise auch unterhalten. Man wollte, man musste ihm dies auch deshalb abnehmen, weil er selbst nach dieser Maxime lebte: stets kooperativ, immer sachlich-genau und nie besserwisserisch, vielmehr an den gemeinsam gesteckten Zielen interessiert – und mit sanft-freundlichem Schalk um eine gute Arbeitsatmosphäre besorgt. Er war nicht nur fachlich, sondern auch als Kollege und Freund eine große Bereicherung für unser Institut. Seine Hinweise hatten unter den Studierenden zumal in der Hörfunkredaktion von Mephisto 97.6 ein großes Gewicht, seine Ratschläge waren für uns eine profunde Hilfe bei der Weiterentwicklung der Studieninhalte. Und als Betreuer verschiedener  Diplomarbeiten stand er noch während seiner Erkrankung vielen Absolventen ratgebend zur Seite. Sein Journalismusverständnis wird auch künftigen Generationen ein Leitbild sein.     

Michael Haller