Barcelona: Anne 2011/2012

Die UAB


Die Universität liegt nicht direkt in der Stadt, vom Zentrum Barcelonas aus fährt man 35 Minuten mit der Bahn, inzwischen liegen die Preise für Einzelfahrten bei 2,70€ (die UAB liegt in Zone 2), billiger wird es mit einer 10er-Karte oder dem Monatsticket. Der Campus selbst ist sehr groß, aber überschaubar und die Fakultät für Kommunikation ist keine zehn Minuten von der Bahnstation entfernt. Im „International Welcome Point“ wird den ankommenden Studierenden alles Notwendige erklärt, es gibt sogar Karten für Barcelona, einen Lageplan der Uni und einen Sprachführer Katalanisch-Deutsch. Die Bibliothek ist meiner Erfahrung nach leider nicht sehr gut
ausgestattet, dafür kann man hier billig kopieren, scannen und drucken und es stehen (außerhalb der Prüfungszeit) genügend Computer zur Verfügung. Für das Abholen von Unterschriften und ähnliches sollte man genügend Zeit einplanen, die Bürokratie in der Uni ist verglichen mit deutschen Verhältnissen eher chaotisch.

Das Studium


Die Fakultät für Kommunikation bietet drei Fächer an: Journalistik, Audiovisuelle Medien und Werbung. Das Studium selbst ist praxisorientierter als in Leipzig, dafür wird auf wissenschaftliches Arbeiten weniger Wert gelegt, um es vorsichtig auszudrücken. Anders als an der UL werden die
Leistungen das ganze Semester über erbracht, die Kurse sind klein, oft mit Dozenten aus der Praxis und in Seminarform. Insgesamt ist das Studium an der UAB deutlich verschulter, auch wenn es durch die Bologna-Reform angeblich freier geworden ist. Sehr wichtig sind die Gruppenarbeiten,
die meistens die Hälfte der zu erbringenden Leistung ausmachen. Das Niveau der Kurse ist sehr unterschiedlich, von einem Kurs rieten mir beispielsweise die spanischen Studierenden selbst ab, deshalb sollte man sich von ihnen möglichst einen Rat holen. Für die Kurswahl bekommen die internationalen Studierenden mehrere Wochen Zeit, die auch auf
jeden Fall notwendig sind. Da die Internetseite der Uni nicht sehr ergiebig ist, sollte man auf jeden Fall mehr Informationen erfragen, da man sonst nur Listen mit den Namen und Zeiten der Kurse bekommt.

Katalanisch und Kastilisch


Um zu erfahren in welcher Sprache die Veranstaltungen gehalten werden, muss man sich in jeden Kurs hineinsetzen. Dabei muss man beachten, dass es in vielen Kursen mehrere Dozenten gibt und sie in unterschiedlichen Sprachen unterrichten. Die deutliche Mehrheit der Kurse wird auf
Katalanisch gehalten und man sollte vorher wissen, dass viele Dozenten kein Englisch können, falls man sich noch nicht sicher auf Spanisch verständigen kann. Einige Dozenten ändern auf Anfrage die Sprache, andererseits werden beispielsweise Referate der Studierenden auch in einem auf Kastilisch gehaltenen Kurs oft auf Katalanisch vorgetragen. Auch im Alltag ist Katalanisch deutlich präsenter als Kastilisch, beispielsweise konnte ich selbst meine Bankunterlagen nur auf Katalanisch erhalten. Straßenschilder und andere wichtige Informationen sind zwar meist zweisprachig verfasst, aber man lernt viel weniger Kastilisch als in anderen Teilen Spaniens. Kleinere Museen und Ausstellungen haben nicht immer eine Übersetzung auf Kastilisch und generell spielt sich im kulturellen Bereich vieles auf Katalanisch ab, vor allem kleine, kostenlose Veranstaltungen (die auf dieser Seite gut zu finden sind: www.forfree.cat/). Meiner Meinung nach ist Barcelona deshalb nicht der perfekte Ort, um Spanisch zu lernen, außer man ist schon sehr sicher im Kastilischen und möchte Katalanisch lernen.

Sprachkurse


Die Anfängerkurse für Katalanisch sind kostenlos und wie ich gehört habe, eine sehr gute Möglichkeit, um Spanier kennen zu lernen (in den Katalanischkursen für Studierende mit Vorkenntnissen in romanischen Sprachen). Der Spanischkurs an der UAB kostet hingegen viel, für meinen Intensivkurs musste ich 430€ zahlen. Da der Folgekurs abgesagt wurde, habe ich danach an einer privaten Sprachschule (SpeakEasy) in Barcelona weitergelernt, der etwas preiswerter war und in kleineren Gruppen abgehalten wurde (teilweise mit drei Spanischschülern, statt wie an der UAB mit etwa zwanzig). Sehr ans Herz legen möchte ich jedem ein Tandem, also den Sprachaustausch mit Einheimischen. Neben der Sprachpraxis lernt man so auch schnell Spanier kennen. Rein spanische Wohngemeinschaften bringen natürlich auch mehr für die Sprachkenntnisse.

Barcelona


Wer nach Barcelona geht, um spanische Kultur zu erleben, ist hier falsch. Flamenco, Siesta, Paella und andere Klischees gehören nicht hierher, in Katalonien ist alles etwas nordischer. Die Katalanen beschreiben ihre Mentalität gerne als Mitte zwischen dem „eigentlichen“ Spanien und
den nordeuropäischen Ländern und das trifft meinen Eindruck auch ganz gut. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Arbeit und der Unterricht pünktlich beginnen, dagegen findet das Leben wie im Rest Spaniens viel mehr „auf der Straße“ statt. Mir gefällt Barcelona sehr gut, denn sie bietet einfach jedem etwas, vor allem Kunst und Kultur. Für Architekturinteressierte ist Barcelona sowieso ein Paradies, allein wegen der Modernisme-
Werke. Außerdem gibt es wunderschöne Parks und Strände, gute Restaurants (in Spanien eine Besonderheit: hier gibt es sehr viele vegetarische/vegane Gaststätten), Unmengen an Cafés und
Bars und natürlich jede Menge Fiesta. Ende des Sommers erlebte ich viele Feste der einzelnen Stadtteile und im September feiert sich die ganze Stadt eine Woche lang selbst mit der Mercè, die mein Höhepunkt des Semesters war. Die Spanier feiern wirklich gerne, wer Einheimische in Clubs sucht, sollte den Port Olimpíc meiden und zum Beispiel das Razzmatazz oder Appollo aufsuchen. Dort sind die Preise allerdings höher, bis zu 15€ sind normal, während man am Strand meistens umsonst hereinkommt (es gibt immer genügend Promoter).Jedes Viertel Barcelonas ist komplett anders und für mich macht dieser Aspekt viel vom Charme der Stadt aus. Das Eixample ist eher elegant und teurer, hier finden sich viele der Modernisme-Gebäude. Das Zentrum der Stadt, das Raval, ist zwar faszinierend, gerade durch seine Internationalität, aber auch das gefährlichste Viertel der Stadt. Insgesamt wird in Barcelona wirklich viel geklaut, vor allem in den Touristengegenden sollte man keinen Rucksack tragen, Geld oder
Handys nicht in der Hosentasche aufbewahren und Taschen nie abstellen.

Wohnen


Die erste Frage in Bezug auf das Wohnen lautet: Möchte man lieber auf dem Campus oder in der Stadt wohnen? Die Vila, also das Studentenheim ist zwar billiger, aber man muss sich das Zimmer mit jemandem teilen und vor allem ist man eben mehr als eine halbe Stunde von der Stadt entfernt.
Dafür lernt man leichter Kommilitonen kennen, weil die meisten einheimischen Studierenden auf dem Campus oder in dessen Nähe wohnen.
Ich lebte in Barcelona und würde es auch zukünftigen Erasmus-Studierenden empfehlen. Allerdings kostet ein kleines Zimmer in zentrumsnähe schnell 400€, viel mehr sollte man nicht zahlen. In
Gracia beispielsweise finden sind aber auch billigere Unterkünfte. Wer übers Wintersemester bleibt, sollte sich nach einem Heizkörper erkundigen, es wird oft sehr kalt in den Wohnungen.

Fazit


Insgesamt war mein Auslandssemester eine sehr gute Erfahrung, ich lernte viele Menschen aus verschiedenen Ländern kennen, verbesserte mein Spanisch sehr und konnte das große Kulturangebot in dieser immer wieder überraschenden Stadt genießen. Trotzdem würde ich aufgrund des Katalanischen im Nachhinein eine andere Stadt bevorzugen. Außerdem würde ich eine Universität wählen, die nicht so weit außerhalb liegt, da dadurch der Kontakt zu einheimischen Kommilitonen erschwert wurde.
Wer mehr Information beziehungsweise persönliche Eindrücke sucht, kann sie auf meinem Blog über das Auslandssemester finden:

anneploetz.wordpress.com/Inhalt, evtl. Bild bei "Images" einfügen