Barcelona: Felix 12/13

Die Universitat Autònoma de Barcelona


Ich habe im Wintersemester 2012/2013 an der Facultat de Ciències de la Comunicació der Universitat Autònoma de Barcelona studiert. Das Semester begann im September, sodass ich in Ruhe meine Kurse in Leipzig abschließen konnte. Im Vorfeld bekommt man von den Oficinas de Intercambio alle nötigen Informationen über den Ablauf des Semesters sowie ein vorläufiges Vorlesungsverzeichnis. Ansprechpartner an der Uni sind die besagten Oficinas, der International Welcome Point sowie ein Tutor an der jeweiligen Fakultät, den man von den Oficinas zugeteilt bekommt. Zu Beginn des Semesters gibt es eine Willkommenswoche mit Veranstaltungen für Erasmus-Studierende. Die Uni liegt leider eine ganze Ecke von Barcelona entfernt im Nirgendwo. Der Campus ist in der Tat total isoliert, man kann also von dort aus nicht mal eben zu Fuß in die nächste Ortschaft gehen.
Man erreicht die Uni am besten mit der S-Bahn S2 nach Sabadell – sie fährt aller zehn Minuten. Wenn man am Plaça Catalunya startet, braucht man dann eine Dreiviertelstunde. Es empfiehlt sich, die Rush Hour zu meiden, wenn man nicht auf Gruppenkuscheln steht und lieber sitzend zur Uni fährt. Also nicht kurz vor knapp losfahren! Eine Fahrt zur Uni in die Zone 2C kostet 2,80 Euro. Innerhalb Barcelonas kommt man mit der Zehnerkarte („T-10“) für nur etwa einen Euro in mit der U-Bahn oder mit dem Bus von A nach B. Der Normalpreis für die Zone 1 liegt bei zwei Euro. Das öffentliche Verkehrsnetz Barcelonas funktioniert hervorragend und ist vergleichsweise günstig.

Kurswahl


Da es sich bei der Universitat Autònoma de Barcelona um eine katalanische Universität handelt, werden die meisten Kurse bis auf sehr wenige Ausnahmen auf Katalanisch angeboten. Leider ist dem Vorlesungsverzeichnis im Vorfeld nicht zu entnehmen, in welcher Sprache die Kurse angeboten werden. Meist entscheiden die Dozenten nach Lust und Laune, ihrer patriotischen Einstellung oder dem Anteil der nicht-katalanischen Studierenden, in welcher Sprache sie die Seminare und Vorlesungen durchführen. Viele Kurse finden im mehreren Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten statt, sodass es auch sein kann, dass die Sprache je nach Gruppe variiert. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich auch an anderen Fakultäten nach englischen oder spanischen Kursen umzuschauen. Grundsätzlich sind die Kurse sehr verschult. Erschreckend fand ich, dass wir in einem Seminar Vorträge ausarbeiten mussten, die wir nur vor dem Dozenten vorzutragen hatten. Der Mehrwert für die anderen Studierenden war gleich null. In den Kursen herrscht Anwesenheitspflicht und einen großen Teil der Prüfungsleistungen machen Gruppenarbeiten aus. Die Prüfungszeit ist Ende Januar/Anfang Februar. Danach beginnen die Semesterferien. Mein Tutor bzw. Erasmuskoordinator der Fakultät, war zwar sehr nett, konnte mir jedoch bei der Kurswahl nicht helfen, da er auch nicht viel mehr wusste als ich. Deswegen sollte man unbedingt andere Erasmus-Studenten ansprechen und sie um Tipps für Kurse bitten. Obwohl ich zusätzlich einen Survival-Katalanischsprachkurs belegt habe, war es für mich schwierig, auf die geforderten Credit Points zu kommen. Außerdem ist es unmöglich, die katalanische Sprache innerhalb der kurzen Zeit auf akademischem Niveau zu beherrschen. Es empfiehlt sich, die Zeit zu nutzen und sich zusätzlich ein Praktikum zu besorgen oder an seiner Bachelor- oder Masterarbeit zu schreiben.

Wohnen


Einige Monate bevor ich nach Barcelona gekommen bin, habe ich für den ersten Monat ein kleines Zimmer über das Internetportal airbnb.de gebucht. Da ich mich mit dem Katalanen, der das Zimmer angeboten hatte, gut verstand, bin ich bis zum Ende des Semesters dort geblieben. Praktisch dabei war, dass die Buchung und finanzielle Abwicklung über airbnb.de lief und ich auf diese Weise nicht gänzlich von meinem Vermieter abhängig war. Das Viertel, wo ich gewohnt habe, heißt Gràcia. Dort habe ich mich auch sehr wohl gefühlt, weil es sehr studentisch und auch relativ ruhig ist, aber
trotzdem nicht ab vom Schuss. Für das Zimmer habe ich etwa 360 Euro bezahlt – diese Summe sollte man generell für die Unterkunft einplanen. Einige Studenten wohnen auch direkt auf dem Campus, aber ich rate unbedingt davon ab, weil die Wohnheime maßlos überteuert sind und man
sich in der Regel ein Zimmer mit einer wildfremden Person teilen muss.

Kultur und Freizeit


In Barcelona gibt es sehr viel zu entdecken und zu erleben. Mein Lieblingsort war der Strand (de facto gibt es mehrere Strände, die man alle mal ausprobieren sollte). Bis Ende Oktober hat das Meer
auch eine angenehme Temperatur. Auch der Montjuïc hält viele nette Plätze zum Entspannen bereit. An den klassischen Touristenzielen wie die Sagrada Família oder den Parc Güell kommt man nicht vorbei. Sehr empfehlenswert, aber von mir leider etwas zu spät entdeckt, ist der Naturpark „Serra de Collserola“ hinter dem Tibidabo. Kulturliebhaber und Party People kommen in Barcelona voll auf ihre Kosten. Um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen, sollte man an einer sogenannten Free Walking Tour teilzunehmen. In Barcelona wimmelt es von tollen Cafés und Kneipen: Bei Studenten wegen der günstigen Tapas sehr beliebt ist die „Cervecería 100 Montaditos“. In dem Restaurant „La Llavor dels
Orígens“ kann man sich von der katalanischen Küche verwöhnen lassen – typisch ist das pizzaähnliche Gebäck „Coca“, auch von der Schokomilch „Cacoalat“ sollte man mal probiert haben. Die katalanische Fastfood-Kette „Buenas Migas“ kann ich auch ans Herz legen. Auch im Café „Tarannà“ im Barrio de Sant Antoni und in „Mama´s Café“ in Gràcia lässt es sich gut
verweilen.Es lohnt sich auch, einmal einen Blick über den Tellerrand zu wagen und Barcelona für eine Weile den Rücken zu kehren, beispielsweise für Ausflüge nach Girona, Sitges oder zum Kloster Montserrat. Auch ein Trip in die Pyrenäen bietet sich an. Mit der Fluggesellschaft „Vueling“
kommt man auch billig nach Madrid oder andere Städte in Spanien.

Fazit


Barcelona war für mich die perfekte Erasmus-Stadt, aber nur, weil ich bereits in Leipzig alle Pflichtkurse belegt hatte. Hätte ich auf die geforderten Credit Points kommen müssen, hätte ich mir ein anderes Ziel für mein Auslandssemester herausgesucht. Man sollte versuchen, das
Semester nicht nur auf dem Campus zu verbringen, sondern sich auch anderweitig zu beschäftigen (Praktikum, Ausflüge). Es ist auch ratsam, solide Spanischkenntnisse mitzubringen. Man sollte nicht nach Barcelona kommen, um Spanisch zu lernen, da die meisten Einheimischen Katalanisch
sprechen. Allerdings kann jeder Katalane auch Spanisch, sodass man sich trotzdem gut verständigen kann. Die Uni hat auch ein Tandem-Programm, worüber man auch schnell in Kontakt mit Einheimischen kommt. Das Studium selbst hat mir allerdings sehr wenig gebracht. Abgesehen von netten Bekanntschaften unter den Kommilitonen ist mir allein der Pinienduft auf dem Campus positiv in Erinnerung geblieben.