Bournemouth: Sophie 12-13

Koordination des Auslandsaufenthalts

Der Weg zum Erasmussemester war nicht ganz so einfach, weil sich die Vorlesungszeiten in England und Deutschland leider überschneiden und der Übergang damit nicht ganz so nahtlos klappt. Während meine Vorlesungen in Leipzig noch bis Anfang Februar andauerten, begann das Semester in Bournemouth bereits Anfang Januar. Schließlich ließ sich jedoch ein Kompromiss ein finden: Ich flog im Januar bereits für eine Woche nach Bournemouth, um die Einführungswoche nicht zu verpassen. Anfang Februar landete ich schließlich endgültig in Bournemouth, wo ich allerdings noch nebenbei meine Hausarbeiten für die Uni Leipzig geschrieben habe. Auch wenn mein Start damit etwas schwierig war, gehe ich davon aus, dass sie die Dozenten in Bournemouth mittlerweile von der Kompetenz der Leipziger Studenten überzeugt haben und einer späteren Anreise Anfang Februar zukünftig weniger im Weg stehen.  

Zum Studium an der Bournemouth University

Endlich in Bournemouth angekommen, war ich zunächst ziemlich fasziniert von dem modernen Uni Campus. Auch wenn die Literatur in der Bib – zumindest in meinem Fachgebiet – ziemlich veraltet ist, ist die Bib an sich top ausgestattet, genauso wie auch die Vorlesungsräume, die Cafeteria, die Starbucks Cafés auf dem Campus und das unieigene Pub. Die Masterkurse umfassen etwa zwanzig Studenten (meistens internationale Studenten und nur vereinzelt Briten) und ein Großteil der Prüfungsleistungen erfolgt in Gruppenarbeiten. Anders als in Deutschland, wo die Prüfungsleistungen meistens in den letzten Wochen der Vorlesungszeit zu erbringen sind, muss man in Bournemouth kontinuierlich am Ball bleiben. Wir hatten fast wöchentlich kleine Präsentationen vorzubereiten oder Aufgaben zu lösen. Neben zwei Assignments, die vom Umfang auf jeden Fall zu bewältigen sind, haben zwei andere Kurse mit Gruppenarbeiten abgeschlossen. Diese Gruppenarbeiten sind ziemlich intensiv, gleichzeitig aber auch eine ziemlich wertvolle Erfahrung, denn die Uni kümmert sich um Kooperationen mit echten Kunden. Die Präsentationen fanden demnach immer vor Vertretern der jeweiligen Agentur statt. Allgemein kann man sagen, dass das Studium in Bournemouth deutlich praktischer  ist. Da der Master dort nicht konsekutiv ist und ja auch nur ein Jahr in Anspruch nimmt, haben die Kursteilnehmer in der Regel deutlich weniger Erfahrung in PR und Kampagnenplanung, was den Großteil des Stoffs ausmacht. Gerade deshalb kann ein Auslandssemester in Bournemouth aber auch total spannend sein, weil man einfach nochmal in ganz anderen Teams arbeitet und ein anderes Unisystem kennen lernt (bei dem man mit seinen Profs auch schon mal ein Pub besucht).    

Das Leben in Bournemouth

Wenn man nach Bournemouth geht, hat man zunächst die Wahl, nah an der Uni oder nah an der Innenstadt zu wohnen. Da die Uni etwas außerhalb liegt (zumindest der Hauptcampus) leben die meisten Studenten in Winton, einem Stadtteil von Bournemouth, der Fußwege zur Uni ermöglicht. Weil eben viele Studenten dort leben, ist die Gegend auch sehr lebendig, wenn man bedenkt, dass sie etwa 20 Minuten (mit dem Bus) von der Innenstadt entfernt liegt. Ich habe mich für das Leben in der Innenstadt und einer weiteren Anreise zur Uni entschieden (mit dem Uni-Bus für den ihr nur eine sogenannte Key Card braucht, kommt ihr für 1 Pfund innerhalb von 10 Minuten zur Uni). Wer nach einem WG-Zimmer sucht, wird mit ziemlicher Sicherheit eher was in Winton finden. Ich habe mich aber entschieden in die Student Halls zu ziehen. Genau genommen den Westover Student Halls, ein eigenständiges Studentenhotel, das aber mit der BU kooperiert. Keine günstige Angelegenheit, aber eine top Lage und man kommt mit anderen Auslandsstudenten in Kontakt. Ich habe das Leben in der Innenstadt sehr genossen, auch wenn es natürlich ein wenig teurer ist und man durch die zahlreichen Shoppingmöglichkeiten, Pubs und Clubs natürlich eher zu weiteren Ausgaben verleiten lässt. Die Innenstadt liegt mehr oder weniger direkt am Meer und ist an sich ziemlich übersichtlich. Da Bournemouth unglaublich viele Sprachschulen beherbergt und dazu ein sehr beliebter Touristenort ist, ist ein ganz quirliges Örtchen.

Fazit

Ein Erasmus Semester in Bournemouth ist kein typisches Erasmus Semester, das wurde mir auch vorher gesagt und ich kann es nur bestätigen. Wie man oben sicherlich schon zwischen den Zeilen lesen kann, sind die Vorlesungen zwar vom Schwierigkeitsgrad nicht enorm anspruchsvoll, aber definitiv vom Zeitaufwand relativ hoch einzustufen. Nichtsdestotrotz bietet die Stadt zahlreiche Unterhaltungsmöglichkeiten und ist ein guter Ausgangspunkt für Wochenendausflüge in andere englische Städte (am besten Mal die Routen des National Express checken). Wer interessiert ist an einem modernen Campus praxisorientiert zu studieren, wer das Meer mag und ein bisschen Kleinstadtflair nicht scheut, der kann in Bournemouth ein wundervolles Auslandssemester verbringen und dabei mit Sicherheit nette Leute aus aller Welt kennenlernen. Auf eurer To Do Liste sollen BBQs am Strand, Pier-to-Pier-Walks nach Boscombe, Pub Quizze, ein Besuch bei Chez Fred in Westbourne (preisgekrönte Fish & Chips), Picknicks im Park, Shoppingtouren in der Innenstadt, das Russel Cotes Museum und Ausflüge zur Jurassic Coast, der Isle of Wright und vieles mehr stehen….

Zur Anrechnung der Credit Points kann ich gar nichts sagen, denn die haben für mich schlichtweg eh nicht gezählt. Zum Zeitpunkt meiner Reise hatte ich schon alle Credits in Leipzig gesammelt, alleinig meine Masterarbeit stand noch aus.