Budapest: Moritz 11-12

„EÖTVÖS LORÁND TUDOMÁNYEGYETEM“ (ELTE) / Wintersemester 2011/12

Von August 2011 und Januar 2012 habe ich ein Semester lang in Budapest studiert. Obwohl man in Ungarn mit Englisch, teils gar mit Deutsch, problemlos zurechtkommt, habe ich zu Beginn meines Aufenthaltes einen zweiwöchigen Ungarisch-Intensivsprachkurs absolviert. Während dieser zwei Wochen in Debrecen, der zweitgrößten Stadt Ungarns, nahe der rumänischen Grenze, habe ich erste Ungarn-Erfahrungen gesammelt und mich ein wenig akklimatisieren können. Ende August ging es dann in die Haupstadt, wo ich ab September mein Studium an der Eötvös-Loránd-Universität aufnahm.

Unterkunft

Da ich ohne Mietvertrag nach Ungarn bin war ich froh, bei meinem Sprachkurs einerseits potentielle spätere Mitbewohner, andererseits Studenten, die bereits eine Wohnung hatten und mir während der Wohnungssuche ein Obdach geben konnten, kennenzulernen. Auch Couchsurfing ist völlig problemlos, die Unterkunft in Hostels ebenfalls und auch nicht allzu kostspielig.

Gemeinsam mit einem polnischen Erasmusstudent aus Krakau, den ich bereits aus Debrecen kannte, und einer deutschen Erasmusstudentin aus Paderborn bin ich schließlich im achten Distrikt, nahe des Blaha Lujsa térs fündig geworden. Die Gegend ist eigentlich perfekt, zu Fuß ist man in wenigen Minuten an der Uni (Campus Astoria), Métro, Tram und Einkaufsmöglichkeiten sind direkt um die Ecke und im Jüdischen Viertel, wo Restauarnts, Clubs und Bars am zahlreichsten sind, ist man in weniger als zehn Minuten.

Grundsätzlich empfehle ich den zentralen Teil des achten, den siebten, den sechsten und für die, die es etwas nobler mögen, den fünften Distrikt bei der Wohnungssuche. Auf jeden Fall aber sollte es die Pester Seite östlich der Donau sein, auf der Budaer Seite ist es zwar auch hübsch, es ist allerdings verhältnismäßig wenig los und gerade zu späterer Stunde sind die Anbindungen des öffentlichen Nahverkehrs dorthin nicht mehr die besten. Meine äußerst geräumige Wohnung lag in einem ruhigen Mietshaus mit Innenhof, der Vermieter, ein Italiener, war absolut unkompliziert und half gerne, wenn es darum ging, behördliche Dinge zu klären. Leider war sie auch nicht ganz billig; manch andere deutsche Student war da anderer Meinung als ich, aber eventuell ist man als Leipziger auch ein wenig verwöhnt.

Universität

Das Angebot englischsprachiger Veranstaltungen der ELTE faculty of humanities auf dem Gebiet der Medien- und Kommunikationswissenschaft ist leider recht überschaubar, dennoch finden sich interessante Kurse darunter. Belegt werden dabei keine Module, sondern einzelne Kurse, zu denen es wöchentlich jeweils eine Veranstaltung gibt. Die ist mal eher Vorlesung, mal eher Seminar, meist  etwas dazwischen.

Ich selbst habe insgesamt fünf Kurse belegt, wobei sowohl weniger ausreichend, und mehr machbar sind. Meine Wahl viel auf 'Radio – Theory and Practice' bei Hargitai Henrik, einen Kurs, den ich im Nachhinein eher ausgesprochenen Hörfunkexperten empfehlen würde. Mark Milsteins Kurs 'Photojournalism' ist interessant und aufschlussreich, vermittelt aber leider nicht die in der Kursbeschreibung versprochenen technischen Fertigkeiten. Sehr empfehlen würde ich 'Eastern European Cinema' bei Strausz Laszlò, wo es im Besonderen um die Entwicklungen des Kinos seit dem Umbruch 1989/90 geht. Und ebenso kann ich den Kurs 'Journalism in Ungarn' bei Vörös Karoly empfehlen. Letzter bietet für deutschsprachige Erasmusstudenten ein Seminar zum historischen und aktuellen Journalismus in Ungarn und der Welt an. Durch die kleine Kursgröße - wir waren dieses Semester zu viert – war es uns möglich, mit Herrn Vörös, dem ehemaligen Chefredakteur einer der größten ungarischen Tageszeitungen, Népszabadság, der sehr gut Deutsch spricht, mehrere Exkursionen zu Redaktionen und Druckereien zu machen.

Außerdem habe ich einen Ungarischkurs besucht,  der mir nicht nur nur die Ungarische Sprache, sondern  auch Land, Kultur und Leute näher gebracht hat. Die Universität bietet Anfängerkurse auf verschiedenen Niveaus an; für absolute Anfänger ohne jede Vorkenntnis, bis hin zu Fortgeschrittenen, die der Sprache bereits einigermaßen mächtig sind.

Bei der Wahl der Kurse ist die Erasmuskoordinatorin des Instituts, Farkas Noémi, äußerst hilfreich, die Prozedur ist völlig unproblematisch und zuvor gewählte Kurse können innerhalb der ersten Tage noch problemlos gewechselt werden. Darüber hinaus bietet die Uni die Vermittlungen eines studentischen Mentors an, was hilfreich sein kann, aber meiner Ansicht nach auch nicht unbedingt erforderlich ist.

Da in die Bewertung der Kurse in Ungarn noch nicht in ECTS-Punkten erfolgt, für das Erasmusstipendium jedoch meist 30 solche Punkte verlangt werden, ist das Pensum an Kursen zunächst etwas schwierig abzuschätzen. Auch das ist allerdings kein größeres Problem, da die Punkte durch die Erasmuskoordinatoren gerne 'übersetzt' werden.

Freizeit

Budapest ist eine Zwei-Millionen-Metropole, in der sich Kultur und  Leute ganz Ungarns und weit darüber hinaus konzentrieren. Langeweile sollte im Normalfall also eigentlich nicht aufkommen.

Je nach Interessenlage gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Im Sommer locken ruin pubs und Bars mit ihrem ganz eigenen Charme, in den kälteren Monaten die Clubs, Kinos und Theater. Die schönsten Jazzkneipen befinden sich meines Erachtens im Jüdischen Viertel. Dort finden sich außerdem Szimpla, Kuplung und Fogasház, um die man als Erasmusstudent – zum Glück – kaum herumkommt. Das ESN und die zahlreichen Universitäten veranstalten außerdem regelmäßig Erasmusveranstaltungen, etwas im Instant oder im Corvintetö, die zu zahlreich sind, um sie alle zu besuchen, ab und an lohnt es sich aber definitiv, vorbeiszuschauen.

Vor jedem Semester gibt es etliche Angebote für Erasmusstudenten, um die Stadt, die Universitäten und die neuen Kommilitonen kennenzulernen. Vom Bibliotheksrundgang bis zum pub crawl ist für alles gesorgt, diese Veranstaltungen eignen sich außerdem hervorragend, um Leute zu treffen, Freunde und Mitbewohner zu finden oder einen ersten Eindruck von der Stadt zu gewinnen.

Aufrund der hohen Zahl von Erasmusstudenten, die ja gewissenmaßen alle im selben Boot sitzen, ist es einfach, schnell gute Freunde zu finden. Etwas schwieriger ist es dagegen, unter den ungarischen Studenten Anschluss zu finden.

Ich hatte eine großartige Zeit in Budapest, die ich nicht missen wollte. Und ich bin sicherlich nicht zum letzten Mal dort gewesen. Ohne einen Vergleich mit anderen Städten zu haben, kann ich sehr Budapest und Ungarn sehr als Erasmus-Destination empfehlen und biete gerne an, Interessenten ihre Fragen zu beantworten, so ich es kann.