Budapest: Pascal Lenard 11-12

Unterkunft

Ich habe in einer 3er-WG gewohnt, die ich über das Internetportal couchsurfing.org organisieren konnte. Da ich die Internetseite seit längerem nutze und hierauf auch eine Zimmer- und Wohnungssuche Gruppe für Budapest existiert, habe ich darüber eine Unterkunft finden können. Das Zimmer habe ich mir dann am zweiten Tag meiner Ankunft in Budapest angeguckt und konnte innerhalb der ersten Woche vor Ort schönerweise auch direkt einziehen. Der Preis lag unter dem Durchschnittspreis, der bei Angeboten auf anderen englischsprachigen Webseiten wie roommatebudapest.com verlangt wurde. Insgesamt kann ich die Wohnungssuche über Couchsurfing nur empfehlen, da man hier auch ein Bild von dem Vermieter/Mitbewohner über das Profil erhält. Noch ein Hinweis zum Ablauf: Die Monatsmiete wurde immer bar am Anfang des Monats bezahlt.

Generell kann man sagen, dass die Buda Seite von kleineren Bergen, mehr Natur und höheren Mieten geprägt ist. Auf der Pest Seite findet man das eigentliche Stadtzentrum mit dem Großteil der Kneipen, Cafés und Veranstaltungsorte der Stadt. Ich habe in Pest direkt um die Ecke bei der Metro-/Tramhaltestelle Corvin Negyed gewohnt, die 15 Minuten zu Fuß von dem Campus der Uni entfernt liegt. Solange man etwas zentraler auf der Pest Seite der Stadt wohnt, ist neben der Uni eigentlich auch vieles andere zu Fuß erreichbar. Allerdings kann man sich als Student für umgerechnet nur 13 Euro auch ein Monats-Studententicket kaufen, mit dem man wirklich überall in die Stadt kommt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind mit Metro, Trams und Bussen gut ausgestattet.

Studium

Man konnte im Vorfeld aus ungefähr einem Dutzend Kursen wählen, die von der Fakultät für Medien und Kommunikation für mein Sommersemester in englischer Sprache angeboten wurden. Da bei den Veranstaltungen die komplette Kommunikation auf Englisch stattfand, waren im Endeffekt nicht wirklich Kenntnisse der ungarischen Sprache von Nöten. Nur die Sekretärin des Instituts kann kein Englisch (mit der man an und für sich aber auch nie etwas zu tun hat), sodass ich mir schon einmal jemanden suchen musste, um meine Frage übersetzen zu lassen. Allerdings gibt es für solche Situationen auch einen persönlichen Ansprechpartner an der Uni – jeder Erasmus Student an der Fakultät hat einen ungarische Studenten als Ansprechpartner, der bei Fragen und Problemen helfen kann.

Empfehlenswert fand ich die Kurse bei Lídia Balogh (Minorities and Migrants in European Media) und Gabriella Szigehty (Visual Strategies in Modernism). Das Niveau war insgesamt halbwegs vergleichbar zu Seminaren bei der Uni Leipzig. Neben den Kursen von meiner Fakultät wurde auch ein Ungarisch Sprachkurs angeboten. Zwar habe ich mir keinerlei Illusionen gemacht, dass ich die ungarische Sprache nur ansatzweise für einen täglichen Gebrauch erlernen würde, aber dennoch wollte ich zumindest ein paar Wörter und Sätze sprechen und verstehen, wofür sich der Sprachkurs an der ELTE auch anbietet. Mehr als ein paar Grundlagen lernt man allerdings in dem Anfänger Kurs nicht, aber dafür ist eine eineinhalbstündige Veranstaltung pro Woche auch einfach zu wenig Zeit – besonders bei dieser komplizierten Sprache...

Hauptverantwortlich für die gesamte Erasmus Koordination ist Sándor Balaci, welcher auch bei dringenden Problemen (z.B. bei einer fehlenden Unterschrift eines Dozenten beim Transcript of Records) stets geholfen hat. Insgesamt ist vielleicht nicht alles ganz so gut organisiert wie an einer deutschen Hochschule, jedoch waren alle Ansprechpartner und Dozenten immer hilfsbereit.

Stadt, Land und Freizeit

Budapest hat 1,7 Millionen Einwohner und dementsprechend viele Kneipen, Cafés und Veranstaltungsorte, um seine Freizeit gut zu nutzen. Gerade im Sommer sind solche Treffpunkte und die (wenigen) öffentlichen Plätze wie das Stadtwäldchen, die Margareteninsel oder der Deák Ferenc tér voll von Menschen. Wenn man dem großstädtischen Treiben einmal entfliehen möchte, kann man aber einfach mit den Öffentlichen zu dem kleinen Städtchen Szentendre im Norden, welches eine wirklich schöne Altstadt besitzt. Oder man fährt in einen Bezirk außerhalb des Zentrums zum Schwimmen in einem der vielen Thermal- und Schwimmbäder der Stadt. Außerhalb des Stadtzentrums waren die Temperaturen im Sommer auch erheblich erträglicher – wer im Sommersemester nach Budapest geht darf sich auf Temperaturen von 35 Grad und mehr einstellen, was in der Stadt/WG ohne Klimaanlage teilweise schon recht heftig ist.

Als an einer ungarischen Hochschule eingeschriebener Student gibt es zudem großzügige Vergünstigungen bei Zugfahrten innerhalb des Landes, sodass Ausflüge in andere Städte sehr preiswert sind. Auch Reisen in umliegende Länder stellen keine allzu große finanzielle Belastung dar.

Fazit

Das halbe Jahr in Budapest sehe ich als eine gute Erfahrung an, wobei dies natürlich immer in den eigenen Händen liegt. Ich persönlich habe durch das Kennenlernen der ungarischen Kultur, der Stadt und der Leute von überall her am meisten mitgenommen. Schön war auch, dass die Kommunikation vor Ort mit fast allen Leuten auf Englisch verlief, sodass man sich hierbei auch zwangsläufig mehr mit der Sprache auseinandersetzt und sich verbessert. Auch kommt man mit dem Englischen bei den meisten Einkäufen relativ gut durch, ansonsten sprechen viele ältere Menschen auch noch Deutsch.

Nur sollte man sich darauf einstellen, dass man in seinem Alltag doch ziemlich limitiert ist, wenn man nicht mehr als ein paar Floskeln auf Ungarisch sprechen und verstehen kann. Man versteht viel Geschriebenes nicht und kann mit vielen Leuten einfach nicht großartig kommunizieren. Da es aber so den meisten Austauschstudenten geht, ist man mit dieser Situation immerhin nicht alleine. Ich kann Budapest für ein halbes Jahr (im Sommer) eigentlich nur empfehlen, da es wirklich einiges zu entdecken gibt und das Angebot der Stadt doch recht vielfältig ist.