Bukarest: Lisa 2013

Sommersemester 2013 – Lisa (Bachelor KMW)

Bukarest: Was? Was willst du denn in Ungarn?

 

Wer sich für ein Auslandssemester in der rumänischen Hauptstadt Bukarest entscheidet, sollte sich auf diese Frage vorbereiten. Denn obwohl Rumänien seit einigen Jahren EU-Mitglied ist, ist für die meisten gedanklich so weit weg wie das sprichwörtliche Timbuktu.  Daher wird Bukarest immer noch oft mit Budapest durcheinander gebracht. Doch gerade das Unbekannte ist auch das Reizvolle an Bukarest. Es gibt relativ wenige Touristen und noch viele unentdeckte Ecken, so dass die Stadt nie langweilig wird.

Auf den ersten Blick ist es ein wildes Chaos an verschiedenen Architekturstilen und Zeiten: Plattenbau neben charmantem Jugendstil und kommunistischer Größenwahnsinn neben kleinen zusammengeschusterten Häuschen. Es lohnt sich auf jeden Fall im Sommersemester nach Bukarest zu gehen, denn im Sommer (also ab April/Mai) erwacht die Stadt wirklich zum Leben. Es gibt einige schöne Parks, wo dann viele Konzerte stattfinden. Oder man lässt sich durch die Gassen der wiederbelebten Altstadt treiben, wo sich Bars und Cafés aneinander reihen. Obwohl Bukarest im Vergleich zum Rest des Landes recht teuer ist, ist es für Westeuropäer weiterhin sehr günstig, so dass auch immer noch genügend Geld für kleine Wochenendausflüge in die Berge oder ans Meer übrig bleibt.

 

Und wie machst du das mit der Uni?

Während der Zeit in Bukarest ist man an der Fakultät für Journalismus und Kommunikationswissenschaften der Universität Bukarest eingeschrieben. Dort gibt es keine eigenen Willkommens- oder Informationsveranstaltungen, so dass man bei der Organisation des Studienalltags erst mal auf sich selbst gestellt ist.

Die für Erasmusstudierende zuständige Betreuerin ist aber sehr hilfsbereit und offen für die eigenen Studienpläne, so dass man aus dem gesamten Kursangebot der Fakultät frei wählen kann. Ich belegte einige Kurse im zweiten Jahr des Bachelors aber auch einige Masterkurse. Obwohl ich anfangs Bedenken hatte, war es kein Problem für mich als Bachelorstudentin daran teilzunehmen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Bachelor in Bukarest praktischer ausgerichtet ist und der Master theoretischer, was aber vielleicht auch an meinen Kursen lag. Gerade bei schlechten Sprachkenntnissen sind die praktischen Kurse empfehlenswert, weil man sich dort leichter beteiligen kann. Zudem sind es gerade solche Kurse, die man in Leipzig nicht findet. Besonders gefallen hat mir mein Seminar zum Thema Fotojournalismus im Bachelor.

 

Anders als in Leipzig ist die Aufteilung der Creditpoints sehr viel kleinteiliger, so dass es für manche Seminare eben nur zwei Credits gibt. Ich hatte trotzdem keine Probleme die erforderlichen 30 Punkte zusammen zu bekommen. Es ist theoretisch auch möglich Kurse an anderen Fakultäten zu belegen. Dafür braucht man allerdings noch mal ein gesondertes Learning Agreement und es ist wieder etwas mehr organisatorischer Aufwand.

Die Notengebung ist in Rumänien insgesamt sehr nett, so dass scheinbar alle gute Noten haben. Außerdem lassen sich die Dozenten bei Erasmusstudenten teilweise auf Sonderregelungen ein, so dass man z.B. ein Essay auf Englisch schreiben kann. Ich habe einen meiner Kurse im Wahlbereich angerechnet bekommen, bei den anderen habe ich es nicht versucht, weil mir eigentlich nur noch die Bacherlorarbeit fehlt.

 

Und Rumänisch?

Eine kleine Hürde stellt in Rumänien sicherlich die Sprache dar. Bis auf einige wenige Kurse, findet der Unterricht an der Uni auf Rumänisch statt. Ich hatte in Deutschland schon einen Sprachkurs gemacht. Das ist auf jeden Fall zu empfehlen, da man zumindest ein paar Sachen versteht und weiß worum es gerade ungefähr geht. Ansonsten klappte die Kommunikation auch so erstaunlich gut, denn es finden sich immer nette Kommilitonen oder Dozenten, die bei der Übersetzung helfen.

Außerhalb der Uni funktioniert das mit den jüngeren Leuten auch noch, aber es ist schon wirklich hilfreich sich zumindest ein paar Sätze für den Alltagsgebrauch anzueignen. Insbesondere wenn man Bukarest verlässt wird es zunehmend schwieriger mit Englisch weiterzukommen.

Man sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen. Rumänisch ist eine romanische Sprache und ähnlich gut zu lernen wie Spanisch oder Italienisch.

 

Unterkunft in Bukarest

Ich habe während meiner Zeit in Bukarest in einer WG zusammen mit einer Rumänin gewohnt. Diese Wohnung habe ich schon aus Deutschland über die facebook-Gruppe der Erasmusstudenten gefunden. Im Nachhinein würde ich einfach nach Bukarest gehen,  und mir vor Ort eine Wohnung suchen, weil man dann die Lage besser einschätzen kann und auch weiß, wo genau man z.B. die Unikurse hat. Bukarest hat zwar günstige öffentlich Verkehrsmittel, auf Grund der Größe der Stadt kann es aber manchmal schon etwas dauern von A nach B zu kommen.

Der Großteil der rumänischen Studenten lebt im Wohnheim, weil das einfach eine unschlagbar günstige Alternative ist. Allerdings sollte man bedenken, dass man sich hier meist ein Zimmer mit mindestens einer anderen Person teilt (meistens andere Austauschstudenten) und keine Küche hat.

WG-Zimmer sind auf jeden Fall auch erschwinglich, für 150- 200 Euro bekommt man schon ein gutes Zimmer. Eine gute Internetseite für die Suche ist cautcoleg.ro (nur auf Rumänisch) oder die couchsurfing Gruppe Bukarest.

 

Fazit

Ein Auslandssemster in Bukarest ist auf jeden Fall eine tolle Möglichkeit ein Land und eine Stadt kennenzulernen, dass vielleicht sonst nicht zu den üblichen Reisezielen gehört. Es erfordert vielleicht etwas mehr Eigeninitiative, weil alles ein bisschen chaotisch abläuft und „die Rumänen“ dich immer wieder überraschen. Dafür gibt es in Rumänien auch außerhalb Bukarests einiges zu entdecken und dank der niedrigen Preise kann man viel reisen. Bukarest als Stadt war mir manchmal zu groß und zu anstrengend, wer aber richtige Großstädte wie Berlin mag, ist hier sicher gut aufgehoben.

Ich habe meinen Aufenthalt in Bukarest auf meinem Blog dokumentiert: http://warumbukarest.wordpress.com/