Dijon: Julia 08-09

Allez les ERASMUS! – mein Semester in Dijon

Vorbereitung und Start in Dijon

Aller Anfang ist bekanntlich schwer: Daher verlief wohl auch die Vorbereitung für mein Semester in Dijon ein wenig chaotisch. Nachdem ich alle nötigen Unterlagen nach Dijon geschickt hatte, hörte ich eine gefühlte Ewigkeit nichts von der Uni, weder von meinem zuständigen Betreuer noch vom Büro der Relations Internationales. Aufgrund der Sommerferien wurden Mails entweder gar nicht oder verspätet beantwortet. Irgendwann im August kam dann aber doch der langersehnte Brief: ich erhielt die Zusage, ein Einschreibeformular, die Zuteilung für einen Wohnheimplatz, Anmeldeformulare für Sprachkurse und Einführungswochenende und Infomaterial. Allerdings war ich von diesen ganzen Formularen anfangs etwas erschlagen und irgendwie war auch nicht ganz klar, was damit passieren soll. Wichtig ist also: die Anmeldung für Sprachkurse und Einführungswochenende sollten möglichst schnell zurückgeschickt werden. Das Einschreibeformular für die Uni sollte zwar schon ausgefüllt werden, denn das Bedarf aufgrund der zahlreichen Abkürzung einiger Zeit, allerdings muss das erst vor Ort gemeinsam mit den ganzen Unterlagen, die in der Liste aufgeführt sind, abgegeben werden. Und damit sind wir schon bei der Einschreibung. Lest euch das Einschreibeformular genau durch und nehmt alle geforderten Unterlagen am besten in doppelter oder dreifacher Ausführung mit, denkt evtl. auch an Übersetzungen. Die müssen in der Regel nicht von einem Übersetzer kommen, Hauptsache die verstehen, was drauf steht. Wichtig sind auch Passfotos, nehmt lieber zu viel mit als zu wenig, denn in Frankreich braucht man für alles Fotos: den Studentenausweis, die Bahncard, die Carte Culture, das Wohnheim etc.

Leben in Dijon

Dijon ist mit seinen knapp 150.000 Einwohnern die Hauptstadt der Region Burgund und hat eins schönes beschauliches Stadtzentrum. Es gibt Museen und andere Sehenswürdigkeiten, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind. Auch wenn Dijon nicht so sehr groß ist, kann man eigentlich immer etwas unternehmen: bei schönem Wetter laden Park und der nahegelegene Lac Kir zum Rad fahren, spazieren gehen und faulenzen ein, der Eulenweg zeigt die schönsten Plätze oder man bummelt einfach durch die Stadt. Bei schlechtem Wetter kann man eine der zahlreichen Kirchen oder eines der Museen besichtigen, ins Schwimmbad gehen, oder mit der Carte Culture Kino oder Theater besuchen. Die Karte kostet für das ganze Jahr 5,50 € und ermöglicht es, zahlreiche Veranstaltungen in ausgewählten Einrichtungen für ebenfalls 5,50 € zu besuchen. Eine Investition, die sich auf jeden Fall lohnt.

Während des Semesters habe ich im Wohnheim Mansart direkt neben dem Campus gewohnt. Es ist definitiv die günstigste und bequemste Lösung, da man sehr schnell in der Uni, der Mensa oder auch im PC-Pool ist und die Innenstadt erreicht man mit Bus oder Rad in 10-15 Minuten. Man sollte allerdings nicht all zu hohe Erwartungen an das Wohnheim haben, dann kann man auch nicht enttäuscht werden. Ich erwischte einen der unrenovierten Pavillons ohne Internet. Ich wohnte in der vierten Etage in einem 9m² großen Zimmer (französischer Standard) und teilte mir Küche (zwei Kochplatten, ein Bistro-Stehtisch und ein Kühlschrankfach für jeden – eigenes Schloss mitbringen!) und Bad (zwei Toiletten und zwei Duschen) mit etwa 15 anderen, hatte dafür aber einen wunderbaren Blick über die Stadt. Das Wohnheim ist leider nicht mehr das Neueste, alles wirkte ein wenig heruntergekommen, aber jeden Tag kommt die Putzfrau und wischt durch. Auch wenn alles sehr einfach gehalten ist, ist die Unterkunft ausreichend und so viel Zeit verbringt man im Zimmer nicht, die meiste Zeit ist man eh unterwegs. ;)

Studieren an der Université de Bourgogne

Ehrlich gesagt habe ich das Einschreibeverfahren am Anfang nicht wirklich verstanden. Nachdem ich endlich alle nötigen Unterlagen zusammen und mehrfach kopiert sowie eine französische Versicherung abgeschlossen hatte, wurde ich also endlich offiziell als Studentin an der Uni eingeschrieben, für ein Fach, mit dem ich gar nichts anfangen konnte. 2. Studienjahr LEA Anglais-Allemand (Langues Entrangères Apliquées). Nach etwa zwei Wochen fand eine Infoveranstaltung von unserem zuständigen Betreuer statt, in der er uns erklärte, dass man uns einfach für irgendetwas eingeschrieben hatte, damit wir erfasst werden konnten. Man ist aber nicht an diese Angabe gebunden. So belegte ich auch nur einen Übersetzungskurs aus meinem eigentlichen Studiengang, der nur wenige mit KMW gemeinsam hatte. Die restlichen Kurse waren entweder speziell für ERASMUS-Studenten oder aus dem Master Studiengang LAMME. Die Teilnahme an Masterkursen bedarf allerdings der Zustimmung des Koordinators. Ich hatte das Glück die unterschiedlichsten Medien-Kurse in drei Sprachen (Französisch, Deutsch, Englisch) besuchen zu können, wobei ich viele interessante Sachen und Leute kennenlernen konnte. Die Seminare kann man aber kaum mit denen in Deutschland vergleichen. Der Prof. redet in der Regel die ganze Zeit, die Studenten schreiben alles mit und am Ende gibt es dann eine Prüfung und man schreibt ein Dossier (eine Art Hausarbeit).

Ich habe mit Absicht mehr Kurse belegt als gefordert, um sicherzugehen, dass ich am Ende auch meine 30 ECTS-Punkte zusammenbekomme. Nun hoffe ich, dass mir die Kurse in Leipzig wenigstens zum Teil angerechnet werden.

Auch wenn es nicht immer einfach war, gerade im Bereich der Verwaltung, denn die Franzosen stehen uns in Sachen Bürokratie in nichts nach, bin ich froh, dass ich den Schritt ins ERASMUS-Leben gewagt habe. Ich habe ein wunderbares Semester in Dijon verbracht, viele tolle Erfahrungen gesammelt und nette Menschen verschiedenster Nationalitäten kennengelernt. Noch ein Tipp am Ende: verbringt nicht zu viel Zeit mit Deutschen, sondern sucht den Kontakt zu Franzosen und anderen Nationalitäten, nur so klappt es irgendwann auch mit dem Französisch sprechen. ;) Es findet sich garantiert immer jemand, sei es um in der Gegend herumzureisen, einfach abends gemeinsam zu kochen oder einen der zahlreichen Studentenclubs zu besuchen. Genießt das französische Leben, es lohnt sich!

Allez à Dijon. 