Florenz: Tina 11-12

Ankunft

In Florenz angekommen sollte euch euer erster Weg an die Facoltà di Scienze Politiche führen, damit ihr euch im dortigen Erasmusbüro (Gebäude D1) anmelden könnt und weitere akademische Informationen erhaltet. Den Studiengang KMW (Scienze della comunicazione) gibt es an der Uni Florenz nicht als separaten Studiengang; zuständig dafür ist die politikwissenschaftliche Fakultät in Novoli, ein Campus, der etwas außerhalb der Stadt liegt (nordwestlich). Näheres dazu findet ihr unter der Internetadresse 'www.scpol.unifi.it'.

Studium

Es besteht auch die Möglichkeit Fächer an einer anderen Fakultät zu besuchen. Dafür fragt man am besten in dem Erasmus-Büro der Politikwissenschaften und dem Büro der anderen Fakultät nach. Interessant für die KMWler ist hier vor allem die Facoltà lettere. Hier gibt es verschiedene Kurse, die sich mit Medienwissenschaft oder Medienpädagogik beschäftigen. Diese Fakultät befindet sich direkt in der Innenstadt, fünf Min. Fußweg vom Dom, an der Piazza Brunelleschi (http://www.lettere.unifi.it).
Wie in Leipzig ist das akademische Jahr in Florenz auch in zwei Semester geteilt. Jedoch gibt es einige Besonderheiten. Die Module bestehen aus drei Veranstaltungen in der Woche, in denen das Modulthema von meist nur einem Professor fortwährend behandelt wird. Außerdem gibt es keine 5 oder 10 ECTS pro Modul, sondern 3, 6 oder 9 (in seltenen Ausnahmen 12). Das Semester ist zudem weiterhin in drei Zeiträume unterteilt, die ca. einen oder eineinhalb Monate lang sind. Diese drei Zeiträume entsprechen jeweils 3 ECTS. Im Sommer beispielsweise geht ein Modul von März bis Mitte April (3 ECTS), März bis Mai (6 ECTS), März bis Juni (9 ECTS) oder aber auch Mitte April bis Juni (6 ECTS). Da nicht alle Kurse zeitgleich anfangen, sollte man sich vorher erkundigen. Insgesamt benötigt man für ein Erasmussemester 25 – 30 ECTS. Den Prüfungstermin wählt man selbst aus drei Alternativen, damit sowohl die Wiederholung einer Prüfung, aber auch das Aufteilen der „vielen“ Prüfungen auf mehrere Monate ermöglicht wird. Ist man mit der Note nicht zufrieden, kann man sie ablehnen und wiederholt die Prüfung.

Im Sommer beginnen die Veranstaltungen an der Facoltà di Scienze Politiche immer Ende Februar/Anfang März, während viele andere Fakultäten erst eine Woche später starten. In den dreimal 120 Minuten Vorlesungen in der Woche  wird der Stoff sehr kompakt vermittelt. Für Erasmusstudenten mit weniger guten Italienischkenntnissen werden auch einige wenige englischsprachige Kurse abgehalten. Ich habe einen solchen Kurs besucht und fand es sehr angenehm, dem Unterricht endlich mal richtig folgen zu können. Für mich interessant und neu war, dass die Professoren in Italien meist allen die Wahl lassen, zur Vorlesung zu kommen oder nicht, jedoch das Lesen mindestens zweier Bücher für das Bestehen der Prüfung verlangt/vorausgesetzt wird. Aus diesem Grund finde ich es nur empfehlenswert, die Vorlesungen zu besuchen, da in den meisten Fällen auch auf eine Powerpoint-Präsentation oder andere Zusammenfassungen seitens der Professoren verzichtet wird. Es ist als Bachelorstudent auch möglich, Masterkurse zu besuchen. Ich habe hier an der Facoltà di Scienze Politiche den Kurs „politiche internazionale delle ICT“ bei Professore Natalicchi besucht. Der Kurs war interessant und wurde mit einer Gruppenpräsentation abgeschlossen. Außerdem habe ich auch an der Facoltà lettere storia del cinema studiert, was bei vielen Erasmus- aber auch italienischen Studenten beliebt war. Dieser Kurs hat auch mit einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen, was für italienische Verhältnisse eine Rarität ist. Man sollte sich also darauf einstellen, dass die meisten Module mit einer (öffentlichen) mündlichen Prüfung enden, in der für Erasmusstudenten jedoch häufig ein Auge zugedrückt wird. Allerdings wird auch keine Faulheit unterstützt. Bücher, die gelesen werden mussten, werden auch klar abgefragt. In bocca al lupo!

Sprachkurse

Die Universität Florenz bietet für alle Erasmusstudenten einen kostenlosen Sprachkurs im Ataneo linguistico (Viale Morgagni) an, bei dem man sich früh genug einschreiben sollte. Außerdem werden in der Rotonda an der Piazza Brunelleschi Übungen angeboten, zu denen man einfach gehen kann.
Da ich persönlich vor Ort keinen Sprachkurs belegt habe – keiner hat in meinen Stundenplatz gepasst – kann ich leider nicht mehr davon berichten.

Wohnungssuche

Bei der Wohnungssuche kann ich natürlich nur von mir sprechen. Die ersten zwei Nächte in Florenz habe ich in einem Hostel übernachtet und tagsüber Wohnungen besichtigt. Ich persönlich habe mich anfangs im Zentrum etwas eingeengt gefühlt und habe daher entschieden, nicht dort wohnen zu wollen. Ich wohnte 5 Minuten mit dem Bus von der Fakultät und vom Zentrum entfernt und habe die Entscheidung auch nie bereut. Jedoch sollte man beachten, dass Busse, die einen nach Hause bringen, ab 0 bzw. 1 Uhr nicht mehr fahren und man nach Hause laufen muss.

Gesucht habe ich Zimmer hauptsächlich auf dieser Seite: http://www.kijiji.it/case/stanze-e-posti-letto/annunci-firenze/ und es gibt viele Aushänge an Bushaltestellen, an Wänden vor den Fakultäten und natürlich auch am schwarzen Brett. Die Mietpreise sind mit 350 – 450€ im Monat verglichen zu Leipzig eher hoch. Man sollte auch darauf achten oder extra nachfragen, ob die Nebenkosten (bollette)  inbegriffen sind, was nur selten der Fall ist, da Strom, Wasser und Telefon/Internet unregelmäßig alle 2-3 Monate bezahlt werden.

Mobilität

Es ist empfehlenswert, sich in Florenz schnell ein Fahrrad zu besorgen. Damit ist man meistens schneller und auch noch zu später Stunde gut unterwegs. Diese werden aber auch gern geklaut, daher nimmt man besser ein preiswertes, dann schmerzt der Verlust auch nicht so  .
Unabdingbar für die Wohnungssuche ist jedoch ein Busticket. Je nachdem wie viel man erwartet zu fahren, sind ein drei-Tagesticket für 12€ oder ein 10-Fahrten Ticket für 10 € preiswerter als Einzelfahrscheine. Für die Faulen unter euch wie mich ist ein Fahrausweis des Busunternehmens Ataf wichtig. Das Monatsticket für Studenten kostet 23€ und ist über die tessera (Berechtigungsnachweis) zu erhalten, die vorerst für 9€ und einem Passfoto im Ataf-Büro am Hauptbahnhof gekauft werden muss.
Das Bahnfahren innerhalb Italiens ist günstig. Es gibt also gut die Möglichkeit andere Städte zu besuchen! Die Bahnarbeiter an den Bahnhöfen sind sehr nett, hilfsbereit und sprechen gut englisch. Ich kann nur empfehlen, sich an die manchmal auch sehr langen Schlangen am Bahnhofsschalter anzustellen, da die Mitarbeiter oft preiswertere Verbindungen finden als die Automaten anzeigen. Als Erasmusstudent hat man viel Zeit, also kann man auch gut und gerne auf die günstigeren Regionalzüge zurückgreifen. Bei längeren Strecken empfehle ich frühzeitig die Preise von www.trenitalia.it und http://www.italotreno.it miteinander zu vergleichen. Hier steigen die Preise der Schnellzüge mit der Zeit, sodass ihr 2 Wochen vor Abfahrt noch erheblich weniger als 10 Minuten vor Abfahrt für den gleichen Zug bezahlt.

Andere Erasmusstudenten

Anfänglich ist es ganz gut einige Erasmushochburgen aufzusuchen, da man dort andere Erasmusstudenten trifft und man sich gegenseitig bei Startschwierigkeiten helfen kann. Die Treffpunkte der Erasmusorganisationen findet ihr bei facebook unter: face-, AEGEE- und CDM-Firenze (ESN ist in Florenz nicht so toll). Außerdem bieten diese Organisationen auch viele Aktionen wie Aperitivi, Fahrten in umliegende Städte oder einfach verschiedene Partys für nur wenig Geld an. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht!

Kultur

Um die Stadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten und versteckten Schätzen zu erkunden, empfehle ich, sich in einem der beiden Tourismusbüros (einer am Bahnhof, einer in der Via Cavour) einen kostenlosen Stadtplan geben zu lassen. Kleiner Tipp: Übrigens bekommt man in jeder Stadt Italiens in den Tourismusbüros kostenlose Stadtpläne!

Ist man im Sommersemester in Florenz, kann man sich auch über die settimana della cultura, die notte bianca oder notte blue erfreuen, zu denen man die staatlichen Museen und Sehenswürdigkeiten umsonst besuchen kann!

Genießt die vielen schönen Plätze (vor allem Piazza Sant Michelangelo), esst Unmengen von Eis, Pasta und Pizza und genießt eure Zeit in Florenz, die leider viel zu schnell vorbei sein wird. Ich vermisse Florenz jetzt schon!

Abreise

Bevor man wieder nach Deutschland kommt, sollte man nicht vergessen, sich mit allen dazugehörigen Unterlagen beim Erasmusbüro abzumelden. Auch eure Studienbescheinigung (Libretto) müsst ihr wieder abgeben (Gebäude D15, dort habt ihr ihn auch erhalten). Dafür erhält man jedoch eine Kopie und später wird einem die offizielle Bescheinigung über alle abgelegten Prüfungen (Transcript of records) nach Deutschland geschickt. Bei der Abgabe des Libretto muss man auch eine sogenannte „Marca di bollo“ im Wert von 14,62€, die man in jedem tabacco oder der Post kaufen kann, mitbringen.