ITT: Thomas 12-13

Studium und Kurswahl

Mein Auslandsaufenthalt am Institute of Technology Tallaght (ITT) in Dublin begann Ende Jänner und endete im Mai 2013. Als Student des IfKMW wählte ich ausschließlich Module der Fachrichtung „Creative Digital Media“. Die Ausrichtung des ITTs ist vorrangig praktischer Natur und auf den ersten Blick komplementär zum Seminarangebot der KMW zu verstehen. Zwar werden auch theoretische Module, wie bspw. zu Medientheorien angeboten, als Masterstudent ist dies aber eher mehrmals erworbenes Basiswissen, weshalb ich auf dessen Wahl verzichtet habe. Die praktische Fachausrichtung kann grob in vier Gebiete eingeteilt werden: Fotografie, Multimediadesign, Audio-/Radioproduktion sowie Videoproduktion.

Als Erasmusstudent bekommt man die Möglichkeit, Module aus dem ersten und zweiten Jahrgang zu wählen. Dabei handelt es sich größtenteils um Einstiegsmodule. Dies ist vor allem dem zu erwerbenden Bachelor-Abschluss geschuldet. Entsprechend meiner eher fehlenden Kenntnisse auf den angebotenen praktischen Gebieten sah ich dies eher als Vorteil an.

Generell lässt sich feststellen, dass das ITT eine gute technische Ausstattung verfügt: Fotografie-, Video- und Audioequipment können problemlos ausgeliehen werden, die Computer sind adäquat für die zu bewältigenden Projekte, die Software war zum Zeitpunkt meines Aufenthalts mit der aktuellen Adobe Master Collection auf dem aktuellsten Stand. Die Klassenstärke von maximal zehn Studenten war sehr angenehm und ermöglicht in dem meist eher „Workshop“-artigen Kursen ein gutes Lehren und Lernen.

Alle meine Module setzten sich je aus einem einzigen Seminar zusammen. Es gab keine Prüfung am Ende des Semesters. Dafür wurden während des Semesterverlaufs einzelne Aufgaben, Hausaufgaben oder Multiple-Choice-Tests angefertigt. Den Abschluss bildete meist ein Semesterprojekt.

Im Bereich der Fotografie wählte ich das Einsteigermodul „Digital Imaging“. Dies bestand aus zwei Fotografieprojekten, welche im Verlauf des Semesters mit großem kreativem Spielraum erarbeitet wurden. Angereichert wurde dies durch Grundlagen der Fotografie und der digitalen Bildbearbeitung. Nichtsdestotrotz glich dies eher einem Fotografieclub als einem Modul an einer Hochschule – vielleicht dem Einstiegscharakter geschuldet. In jedem Fall ein guter Kurs, um erste Bekanntschaften vor Ort zu machen und sich in der jeweiligen Klasse zu Recht zu finden.

„Multimedia Design“, Arbeit mit Adobe Flash, behandelte in der ersten Semesterhälfte die Grundlagen des Programms. Die zweite Hälfte war der Eigenproduktion eines Projekts gewidmet. Mit Hilfe von Flash sollte ein Video zu einem selbst gewählten Lied erstellt werden. Für Flash-Neulinge war dieser Kurs eine gute Möglichkeit, um auf kreative Weise sich praxisnah mit dem Programm vertraut zu machen.

Ähnlich war der Kurs “Design Studies“ aufgebaut. Mit dem Programm „Adobe Illustrator“ wurden verschiedene Grafik-Projekte, wie fiktive Firmenlogos, erstellt. In jedem Fall konnte der Kreativität auch hier freien Lauf gelassen werden. Jedoch vermisste ich hier die nötige Medienrelevanz bzw. technische Detailtiefe. Themen, wie Farbenlehre oder Typografie, wurden nur angerissen. Eine medienwissenschaftliche, bspw. aus Medienwirkungsperspektive, war an keiner Stelle greifbar. Eine konstruktive Auseinandersetzung mit den erstellten Projekten wäre auch in jedem Fall wünschenswert gewesen, besonders um das eigene theoretische Wissen besser fundieren und ausbauen zu können.

Der Kurs der Videoproduktion war einerseits interessant, weil adäquates Equipment zur Filmproduktion genutzt wurde. Andererseits fehlte dem Kurs Struktur und Organisation. Von filmästhetischer Seite wurde nichts Hilfreiches gelehrt. Für die Theorieaufgaben wurde nur schnell in den ersten drei Wochen etwas „abgehandelt“. Auch fehlte hier das konstruktive Feedback nach Beendigung des Projekts.

Als ehemaliger Mitarbeiter von mephisto 97.6 war der Kurs „Radio Production“ auf inhaltlicher und technischer Seite keine Herausforderung. Jedoch reizte es mich, meine Fähigkeiten in englischer Sprache anzuwenden. Neben Basiswissen zu Formaten und Technik, wurden Produktionen verschiedener Darstellungsformen erstellt sowie Einführungen in die Sendetechnik des lokalen Collegeradios gegeben. Für Radioneulinge auf jeden Fall ein empfehlenswerter und unterhaltsamer Kurs.

Im Kurs „Audio“ wurde neben ganz vielen Lebensweisheiten des Dozenten alles rund um das Thema „Audio“ gelehrt. Neben sehr interessanten Theorieteilen, wurde auch viel selber produziert, u.a. Jingles und Musik mit dem Programm „Reason“. Mit dem Programm „Pro Tools“ erhielt man einen guten Einblick in den Audioschnitt und dem Vorgang des Synchronisierens bzw. Foley-Takings.

Fazit

Abschließend lässt sich feststellen, dass es aufgrund der vielen kleinen Aufgaben im Verlauf des Semesters nie langweilig wurde. Vor allem die intendierte Möglichkeit zur eigenen kreativen Herangehensweise hat bis zum letzten College-Tag die Arbeit motiviert. Auch war das Verhältnis zu den meist jüngeren Kommillitonen sehr gut und kollegial. Der Kontakt mit den Dozenten war ebenfalls sehr freundlich. Sie waren für jede Frage und jedes lustige Pausengespräch bereit. Enttäuschend war jedoch der inhaltliche Maßstab. Selbst für Einsteiger- und Basiskurse sollte auf einem College, welches am Ende den Grad eines Bachelors verliehen wird, höher sein. Vor allem würde ein Zusammenspiel aus konstruktivem Feedback der eigenen Produktion und wissenschaftlichen fundierten Elementen aus dem Unterricht das Lernerlebnis für KMW-Studenten verbessern.