Jyväskylä: Jan-Helge 2011

 

Jyväskylän yliopisto (University of Jyväskylä), 2011

Jyväskylä

Jyväskylä ist ziemlich zentral in Mittelfinnland gelegen. Mit knapp über 130.000 Einwohnern würde Jyväskylä in Deutschland vermutlich als Kleinstadt durchgehen, in Finnland zählt sie zu den größeren Städten. Zum Vergleich: Die größte Stadt Finnlands ist die Hauptstadt Helsinki mit knapp 590.000 Einwohnern. Wie nahezu alle finnischen Städte, die ich in meiner Zeit im hohen Norden gesehen habe, ist auch Jyväskylä nicht geprägt von umwerfender Schönheit, sondern von Pragmatismus und Funktionalität. Jyväskylä ist nicht Las Vegas, die Stadt bietet eine Handvoll „kultureller“ Möglichkeiten, das studentische Leben jedoch ist geprägt von Eigeninitiative.

Leben

Eigeninitiativ haben wir ziemlich viel miteinander gekocht und gefeiert. Legendär in Jyväskylä (und angeblich auch darüber hinaus) sind die M-Building-Partys, die in einem Studentenwohnheim (dem M-Building) in Roninmäki, einem der Studentendörfer in Jyväskylä, stattfinden. Neben zahlreichen weiteren Privatpartys, bietet Jyväskylä natürlich auch ein Nachtleben. Während die meisten Erasmus-Studenten im „Bra“ zu den immer gleichen Erasmus-Schlagern getanzt haben, kann ich das „Ruma“ empfehlen, das etwas rockiger ist.

Wenn wir nicht gekocht oder gefeiert haben, waren wir ziemlich oft in der Sauna, die man in den Studentenwohnheimen von KOAS zu bestimmten Zeiten kostenlos nutzen kann, haben Fußball gespielt oder lagen am See. Die zahlreichen Trips, die von ESN angeboten und von den anderen Erasmus-Studenten gepriesen werden, habe ich nicht mitgemacht. Ich bin kein Freund von organisierten Trips und habe Finnland mit Freunden auf eigene Faust erkundet. Unter anderem haben wir uns ein Auto gemietet und sind für zwei Tage gen Osten gefahren, um die finnische Seenlandschaft zu erkunden.

Wohnen

Im Sommersemester, in dem anscheinend nicht ganz so viele Erasmus-Studenten nach Finnland aufbrechen, kommen die meisten von ihnen in den Studentenwohnheimen in Roninmäki, Myllyjärvi und Kortepohja unter. Die beiden erstgenannten werden von KOAS betrieben, liegen fußläufig fünf Minuten auseinander und ca. dreißig Minuten von der Innenstadt entfernt. (Es fährt natürlich auch ein Bus, ich würde allerdings empfehlen ein Fahrrad zu kaufen, die günstigste und angenehmste Methode sich in Jyväskylä fortzubewegen.) Ich habe in Myllyjärvi gewohnt, würde mich aber im Nachhinein für Roninmäki entscheiden. Die WGs sind dort etwas älter und studentischer, das Studentendorf schien mir insgesamt lebendiger zu sein. Die Studentenwohnheime in Myllyjärvi hingegen erinnern ein bisschen an ein Krankenhaus, auch wenn die WG für vier bis fünf Monate absolut in Ordnung war.

Uni

Studieren tut man natürlich auch. Der Hauptcampus der Jyväskylän yliopisto ist zentral gelegen und mit historischen Gebäuden nicht nur pragmatisch und funktional, sondern sogar relativ schön. Der Campus umfasst auch die Bibliothek, zahlreiche Cafés und zwei Mensen, „Ilokivi“ und „Lozzi“, in denen man günstig und einigermaßen gut essen und Stunden verbringen kann.

Die Uni und das Studium sind ziemlich gut organisiert, die Professoren und alle Angestellten sind äußerst hilfsbereit. Obwohl ich erst Anfang Februar (das Semester beginnt Anfang Januar) nach Jyväskylä kommen konnte (zuvor haben mich Verpflichtungen im Rahmen meines Masters in Leipzig gehalten) und somit die Orientierungswoche verpasst habe, habe ich mich zu keiner Zeit verloren gefühlt. Das lag unter anderem auch an meiner Tutorin, die mich in den ersten Tagen über den Campus geführt und mir vieles gezeigt und erklärt hat.

Das Niveau der Lehre in Jyväskylä schien mir allerdings nicht allzu hoch zu sein. Ich habe drei Bachelor-Kurse und einen Master-Kurs belegt und hatte in keinem dieser Kurse Probleme mitzukommen, ganz im Gegenteil. Ich hatte mir vom viel gepriesenen finnischen Bildungssystem etwas mehr erwartet als die ziemlich gute Organisation des Studiums. Wobei ich in diesem Punkt natürlich ausdrücklich auf meinen persönlichen Eindruck verweisen möchte. Positiv daran war, dass ich umso mehr Zeit für Sauna, Fußball und Co. hatte.