Madrid: Julia 11-12

Universidad Complutense de Madrid | 2011/12

DIE UNIVERSITÄT UND DAS STUDIUM

Die „Universidad Complutense de Madrid“ gehört zu den größten Universitäten Spaniens. Das Campusleben spielt sich im Westen Madrids, in der „Ciudad Universitaria“ ab.  Wie in einer kleinen Stadt fahren dort  Busse von einer Fakultät zur anderen.

Dort befindet sich auch die Fakultät der „Ciencias de la Información“, an der ich im Wintersemester 2011/12 studiert habe. Von der Innenstadt braucht man mit U-Bahn oder Bus eine knappe halbe Stunde zum Gelände. Eine ungewohnt große Distanz für Madrid, in dem man sonst alles gut zu Fuß erreichen kann.  Das stört aber nicht weiter, da die Bahnen und Busse von früh bis spät aller paar Minuten fahren. Eine Monatskarte lässt sich dadurch zwar nicht vermeiden, die könnt ihr bis zum Alter von 22, jedoch im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen, für günstige 35 Euro erwerben. Den Ausweis dafür könnt ihr innerhalb einer Woche in einem „Tabacco-Laden“ mit der Kopie eures Ausweises und einem Passbild beantragen.

Die Uni an sich ist ein großer, grauer Betonblock, in dem man sich jedoch überraschend schnell und gut zurecht findet. Das Angebot der Kurse ist breit gefächert. Dabei kann man aus den 3 Studiengängen Journalistik, Publizistik und Audiovisuelle Kommunikation Kurse aus allen Semestern wählen. Auch viele praxisorientierte Fächer wie Fotografie und Videoschnitt werden angeboten. Leider waren diese in meinem Semester nicht für Erasmus-Studenten zugänglich. Man konnte sie zwar in Absprache mit dem Professor belegen, jedoch keine Credits dafür bekommen. Warum genau, das nicht möglich war, konnte uns an der Uni leider nie jemand genau erklären.
Ich habe Kurse wie Public Relations, Geschichte der Propaganda und Audiovisuelle Kommunikation studiert. Ein Modul hat jeweils 2 Veranstaltungen pro Woche, die häufig, anders als an der Uni Leipzig volle 2 Stunden gehen.

Die Qualität meiner Kurse war sehr unterschiedlich. Von sehr unpersönlichen Monologen im Vorlesungsstil, bis zu wirklich interessierten Professoren, die ihr Kurse an die besonderen Schwierigkeiten der Erasmusstudenten anpassten, war alles dabei. Auch wenn die Semesterwochenstunden weniger waren, musste ich in fast allen Kursen viele kleine Hausarbeiten („Trabajos“) abgeben, was für mich einen ungewohnt hohen Arbeitsaufwand außerhalb der Prüfungsphase bedeutete. Material für die Kurse findet sich hauptsächlich im „Campus Virtual“, dass mit unserem Moodle zu vergleichen ist.

Die große Mehrheit meiner Kommilitonen war sehr jung, wodurch man oft das Gefühl bekam wieder in der Schule anstatt in einer Universität zu sitzen. Generell treten die Spanier ausländischen Studenten aber sehr freundlich und hilfsbereit gegenüber. Als schwierig stellte sich leider das Erasmus Office der Fakultät heraus. Dort kam man sich als hilfesuchender Erasmusstudent häufig nur wie eine nervende Belastung vor und wurde nach einer Stunde Anstehen unfreundlich abgewiesen, mit der Begründung das jetzt geschlossen sei.

Für das Spanisch lernen ist gesorgt. Vor Beginn des Semester bietet die Complutense einen zweiwöchigen, kostenlosen Sprachkurs an. Der sei hier jedem ans Herz gelegt. Man kann nicht nur sein Spanisch auffrischen, sondern lernt auch jede Menge anderer Erasmusstudenten kennen. Es wird auch ein Kurs während des Semesters angeboten, der 250 Euro kostet.

Leben in MADRID

Die  größte Stadt Spaniens hat für jeden etwas zu bieten. Es ist laut, quirlig und voll und das zu Uhrzeiten, in denen in den meisten deutschen Städten kein Mensch mehr auf der Straße zu finden ist.

Sehr praktisch an der spanischen Metropole: man kann alles erlaufen. Die wichtigsten Punkte erstrecken sich auf einem vergleichsweise kleinen Gebiet  zentralen Plaza Mayor aus.  Dabei sind jedoch gerade in der Weihnachtszeit, die Straßen so voll, dass man sich mit der U-Bahn schneller fortbewegt.

Die Hauptstad besticht nicht nur durch ihre wunderschöne Architektur, Sehenswürdigkeiten und Unmengen an Bars, Cafés und Restaurants, sondern kann besonders mit ihrem kulturellen Leben punkten. Bekannte Museen wie das Prado oder das Reína Sofia sind für Studenten immer oder ab bestimmten Uhrzeiten kostenlos. Neben vielen weiteren kleineren Museen gibt es stets kostenlose Ausstellungen zu verschiedensten Themen.  Feste Veranstaltungen, wie der Rastro-Markt jeden Sonntag im beliebten Viertel La Latina prägen die Wochenenden in Madrid. Besonders interessant ist das Kulturzentrum Tabacalera in Lavapies. Dort können kostenlos Workshops wie Theater oder  Yoga besucht werden oder man sitzt einfach nur in der Bar oder im Hof und trinkt etwas zusammen.

Auch grüne Oasen lassen sich in Madrid nicht vermissen. Der Retiro, inmitten der Stadt, zieht viele Jogger und Familien an und für ausgedehnte Spaziergänge bietet der Casa de Campo, im Süden der Stadt, genug Platz.

Das Nachtleben in Madrid ist abwechslungsreich. Wer nicht auf die typischen Erasmus-Partys gehen will, für den hält Madrid eine breit angelegte Clubszene bereit. Besonders bietet sich hierfür Malasana, nördlich der Gran Vía, mit seine kleinen Clubs und verwinkelten Bars an.

WOHNEN IN MADRID

Eines muss man sich klarmachen, wenn man aus dem preisverwöhnten Leipzig kommt. Madrid ist teuer. Für meine 12 Quadratmeter habe ich 425 Euro warm gezahlt. Dafür habe ich ihm schönen Viertel La Latina gewohnt und hatte super nette Mitbewohner. Die Suche ist eigentlich recht einfach. Die beste Seite ist idealista.com. Man kann es aber auch auf der deutschen Seite WG-Gesucht probieren.  Am besten ist es einfach anzurufen, da die meisten keine Lust auf umständlichen Emailverkehr haben. Mieten für nur ein paar Monate ist in Spanien, anders als in Deutschland, kein Problem. Auch das die Zimmer bereits möbliert sind ist eigentlich Standard. Dabei ist es wichtig sich nicht von der anfänglichen Sprachbarriere abschrecken zu lassen. Viele kennen das Prozedere bereits und wundern sich nicht, wenn sie Dinge für euch mehrmals am Telefon wiederholen müssen.

Mietverträge wollen viele nicht abschließen. Mit einer Kaution muss man allerdings trotzdem rechnen.  Aus meinen Erfahrungen, wurde die aber allen wieder zurück gezahlt.

Vorsichtig sollte man jedoch mit dem Mieten von Zimmern von Deutschland aus sein. Es kam vor, dass Wohnungen die bereits angezahlt wurden nicht existierten oder in so schlechtem Zustand waren, dass sie nicht bezogen werden konnte. Also lieber vor Ort suchen, auch wenn das bedeutet, dass man ein paar Tage im Hostel schlafen muss.

Die Kosten für Lebensmittel sind ungefähr auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland. Frisches Obst kann man sehr billig beim Chino (Asialaden) erstehen. Kosmetik ist teurer als in Deutschland, Medikamente dafür um einiges billiger und vieles auch ohne Rezept zu kaufen.

Die spanische Mentalität kann für ein deutsches Gemüt hin und wieder anstrengend werden. Lange Warteschlangen bei der Post oder im Supermarkt scheinen dazu zu gehören und freundliche Serviceleistungen nicht die Stärke der Spanier zu sein. Trotzdem ist Madrid ein Stadt mit sehr guter Lebensqualität, die sich wunderbar für einen gelungenen Erasmus Aufenthalt eignet.