Oslo: Julia 2012/2013

Universität und Campusleben

Die Organisation durch die Universität ist wirklich hervorragend. Zwei Monate vor Semesterstart bekommt man von der Universität ausreichend Informationsunterlagen zugesendet, wodurch man sich frühzeitig um einen der garantierten Wohnheimplätze bewerben und sich problemlos für die Kurse registrieren kann. Nach Ankunft erhält man dann an der International Student Reception (Knutepunktet) ein Welcome-Paket, in dem die Login-Daten für die Universität, Studierendenausweis und Informationsbroschüren erhalten sind. In den ersten Tagen finden einige Informationsveranstaltungen statt, sodass man sich rundum gut aufgehoben fühlt und ausreichend Ansprechpartner für Fragen und Probleme findet, z.B. bei der Kursregistrierung. Sowohl die Fachkoordinatorin als auch die Dozenten der verschiedenen Kurse sind für Fragen auch über die Sprechzeiten hinaus jederzeit erreichbar und antworten sehr schnell per Mail. Generell waren die Lehrveranstaltungen sehr gut strukturiert und anspruchsvoll. Oftmals wurden Gastdozenten aus ansässigen Medienunternehmen oder verwandten Fachbereichen eingeladen. Anders als in Deutschland ist der Lernaufwand gleichmäßig über das Semester verteilt: Einige Seminare dauern bspw. nur zwei Monate und sind als eine Art Blockseminar gestaltet. Man kann mit einem sehr hohen Lesepensum rechnen, das sich dadurch aber über das Semester ausgleicht und gut zu schaffen ist. Da es für Deutsche in der Regel sehr einfach ist, Norwegisch zu lernen, empfiehlt es sich, bereits ein paar Grundkenntnisse in Deutschland aufzubauen. Dann kann man nämlich den Einführungskurs überspringen und direkt in das fortgeschrittene Level einsteigen. Die UiO ist eine echte Campusuniversität. Neben den Instituten, Seminargebäuden und Fachbibliotheken findet man auf dem Campus alles, was zum studentischen Alltag gehört: Bücher- bzw. Schreibwarenladen, Supermarkt, Friseur, Career Center, Mensa, einen Food-Court und das Gesundheitszentrum für internationale Studenten. Nahezu jede Fakultät hat im Erdgeschoss eine Caféteria und im Keller einen Studentenpub, in denen für nur 10 NOK günstig Kaffee und die typisch norwegischen Waffeln verkauft werden.

Wohnen und Alltag

Die meisten internationalen Studenten werden in den Wohnheimen in Kringsjå und Sogn untergebracht. Sogn ist ein ehemaliges olympisches Dorf mit hübschen Backsteinbauten, in denen man sich mit 3-9 anderen Bad/WC und Küche teilt. Es liegt etwas näher an der Uni und hat mit den U-Bahn-Linien 3,4 und 6 eine optimale Verbindung zum Zentrum. In Kringsjå wohnt man zwar im unspektakulären Plattenbau, dafür ist man mitten in der Natur und der wundervolle See Sognsvann nur fünf Minuten entfernt. Die Zimmer sind ähnlich ausgestattet und man teilt sich die Küche in der Regel mit sechs anderen, das Bad jedoch nur mit einem weiteren Studenten. Es macht nicht wirklich einen Unterschied, in welchem der Studentendörfer man wohnt, da sie sehr nah beieinander liegen und man in nur drei Minuten mit dem Bus oder 15 Minuten zu Fuß vom einem zum anderen kommt. Außerdem haben beide Dörfer einen eigenen Supermarkt und einen Studentenpub, in dem regelmäßig Events wie Quiz, Open Mic-Nächte oder Themenpartys stattfinden. Im letzten Semester war das neu eröffnete Kringsjå-Pub mittwochs die Anlaufstelle für alle internationalen Studenten. Im etwas größeren Studentenpub Amatøren in Sogn fanden dafür die größeren Erasmus-Partys statt. Das Leben in einem der Studentendörfer hat den Vorteil, dass man gemeinsame Wege zur Uni und zur Stadt hat. Wir haben uns auch oft gegenseitig besucht, in den großen Küchen gemeinsam gekocht oder auf den grünen Wiesen vor den Häusern gegrillt. Im Sommer kann man auch die Tage am See verbringen und Beachvolleyball spielen. Er eignet sich auch super zum Spazieren, Joggen oder Langlaufen im Winter. Das nötige Equipment kann man an der Uni preiswert ausleihen. Generell kostet eine Mitgliedschaft im Unisport SiO Athletica 145 NOK/Monat oder 800 NOK/Semester und ist ein guter Deal, da darin sowohl die Nutzung der Trainingsräume, Sporthallen und des Schwimmbads als auch eine Vielzahl an Kursen (Aqua, Yoga, Aerobic, Spinning, Krafttraining etc.) enthalten sind.

Freizeit und Ausflüge

Wenn man rechtzeitig in Oslo ankommt, sollte man unbedingt die Welcome- und Buddyweek einplanen. In dieser Zeit stellen sich nicht nur Institut und Studentenorganisationen vor und locken mit kostenlosen Essen, es ist auch eine super Möglichkeit, die ersten Bekanntschaften zu schließen und bei gemeinsamen Unternehmungen die Stadt kennenzulernen. Ob Campustour, Sightseeing, Eislaufen, Schlittenfahren oder die Einladung des norwegischen Buddys zum Filmabend – alles ist möglich. Die Uni organisiert im Rahmen des „Special Events Programme“ regelmäßig Skikurse, Cabintrips, Pub-Crawls, Island-Hopping oder kostenlose Museumsbesuche und norwegische Filmabende im Hörsaal. Im letzten Semester konnten wir sogar sehr günstig zum FIS Nordic World  Ski Cup an der berühmten Holmenkollenschanze gehen, wo dann auch ein Winter-BBQ auf uns wartete. Außerdem organisiert das Erasmus Student Network (ESN) regelmäßig Mottopartys und Bootstrips nach Kopenhagen, Stockholm und Tallinn. Ansonsten gibt es in und um Oslo jede Menge Wandertouren durch die Nordmarka, entlang des Akerselva oder zum Holmenkollen. Das Nachtleben in Oslo ist gut, aber teuer. Häufig wird der freie Eintritt mit Bierpreisen von 7-11 € kompensiert. Außerdem haben die meisten Clubs eine Altersgrenze von mindestens 21, häufig sogar 23. Daher ist es kein Wunder, dass sich unter internationalen Studenten die legendären Küchenpartys etabliert haben. Wer trotzdem gerne in der Stadt tanzen will, für sind die Bars und Clubs am Youngstorget und in Grünerløkka sicherlich eine gute Adresse. Und das am besten am Wochenende, denn während freitags und samstag jede halbe Stunde ein Nachtbus fährt, muss man unter der Woche auf die letzte U-Bahn um 00:30 Uhr zählen oder ein teures Taxi zahlen. Wer innerhalb von Norwegen verreisen möchte, sollte möglichst früh die Ticketpreise für Züge auf der Website des NSB checken. Dort werden die legendären Zugfahrten durch die schönsten Landschaften in Norwegen nach Bergen und Stavanger zum Minipreis für jeweils 250 NOK angeboten. Ein Trip nach Stockholm oder Göteborg kann man auch sehr preiswert mit dem Nachtbus buchen. Für weitere Reisen in den Norden empfehlen sich Flüge von SAS und Norwegian oder die Busreisen mit Scanbalt Experience.

Eine Frage des Geldes

Bei einer Miete von ca. 400€ und viel höheren Preisen, spielt Geld in Oslo eine zentrale Rolle. Daher ist es wichtig, immer und überall nach Studentenrabatten zu fragen und Augen und Ohren offen zu halten. In Norwegen ist es normal, dass man Lehrmaterialien wie Reader und Bücher kauft und in der Bibliothek auch meist nur ein Exemplar steht. Gerade für internationale Studenten, die nur ein oder zwei Semester an der UiO studieren, ist das ein großer finanzieller Aufwand. Daher verkaufen viele Studenten ihre gebrauchten Sachen wieder sehr viel günstiger an schwarzen Bretten in der Uni oder in Facebook-Gruppen wie Virtual Sellouts. Auch Kopieren und Drucken kostet extra. Es ist gut zu wissen, dass Erasmus-Studenten zu Beginn des Semesters 250 Freidrucke erhalten. Dann kann man Dokumente kostenlos einscannen und ausdrucken, anstatt sich eine Kopierkarte zu kaufen. Studenten erhalten in Oslo auch ein vergünstigtes Monatsticket, das zwar trotzdem noch 380 NOK kostet, aber dafür sowohl Busse, Nachtbusse, Metro, Tram und die Fähren zu den tollen Inseln im Oslofjord beinhaltet. Zum Einkaufen empfiehlt es sich, in einen der günstigeren Supermärkte Kiwi oder Rema2000 zu gehen. Fleisch, Obst und Gemüse sind besonders teuer. Daher lohnt es sich, diese Sachen zu fast heimischen Preisen im 20 Minuten entfernten Stadtteil Grønland zu kaufen. Norwegen ist ein klares Kaffeeland. Wenn man sich allerdings zu Beginn des Semesters einen Uni-Becher kauft, ist jeder weitere Kaffee auf dem Campus vergünstigt. Kostenlosen Kaffee, Tee und Kekse gibt es jeden Freitag bei der von der Uni organisierten International Coffe Hour, Waffeln im Haus der Studentenvertretung Villa Eika auf dem Campus. Etwas, das in Norwegen nicht so teuer ist, ist Telefonieren. Der Anbieter Chess bietet günstige Tarife für internationale Studenten an. Die Handykarten werden am Anfang des Semesters in der Uni verkauft. Außerdem gibt's mit Chess dienstags immer Kino für Zwei zum Preis von Einem (50 NOK/Person). Wer gerne in Norwegen arbeiten möchte, kann zum Carreer Centre oder zu einer der Informationsmeetings gehen. In der Regel sollte man dafür ganz gut Norwegisch sprechen, allerdings gibt es auch englischsprachige Jobs im Babysitting, Catering, dem Security-Bereich etc.

Fazit

Wenn man sich den doppelten bis dreifachen Preisen vorher bewusst ist, kann man nur eins sagen: Oslo ist eine wunderbare Stadt, die einfach alles zu bieten hat: Ski- und Wandertouren durch die Berge, ein Tag am See oder auf einer Insel im Oslofjord, ein Spaziergang entlang der Hafenpromenade oder einfach ein Café in der Stadt. Ich habe mich wirklich ziemlich schnell in die Stadt verliebt und werde auf jeden Fall wiederkommen. Dadurch, dass man so nah beieinander wohnt und Oslo an sich auch keine allzu große Stadt ist, habe ich wunderbare Freundschaften schließen können und mich auch weit weg von meiner Familie und meinen Freunden nie einsam gefühlt. Außerdem habe ich auch über die Buddyweek hinaus noch viel mit meinen norwegischen Bekannten unternommen, wobei man sagen muss, dass die Norweger ein sehr scheues Volk sind und man damit einfach Glück haben muss. Ich würde empfehlen, im Sommersemester nach Oslo zu gehen, da man dann die weiße Winterlandschaft, aber auch den Mittsommer und die warmen Tage erlebt.

Mehr Infos dazu im Erfahrungsbericht für das Akademische Auslandsamt:

www.zv.uni-leipzig.de/studium/studium-international/auslandssemester-weltweit/austauschvereinbarungen-kiss.html