Oslo: Laura 11-12

Universität Oslo

Frühlingssemester 2012 (Januar bis Juni)

Ein Auslandssemester in Oslo: Stadtleben und massig Natur zugleich, relativ viel Aufwand fürs Studium, großartige Hilfe und Organisation seitens der Uni, hohe Kosten, und gleich zwei Fremdsprachen auf einmal zum Lernen.

Uni

Alles rund ums Studium ist wunderbar von der Uni organisiert. Schon vorab gibt es reichlich Info-Material per Post, E-Mail und im Internet. Anfangs gibt es eine einwöchige Einführung mit Begrüßung, alles rund um die Seminaranmeldung, Vorstellung der geplanten Events für das Semester (Hütten-, Boots-, Städte- und Wandertrips, Kinoabend, Kaffee-Stunde) und der eigenen Buddy Group, in der man die erste Woche und meist auch noch danach Oslo unsicher macht und alles und sich gegenseitig kennen lernt.

Die Uni an sich ist ein großer Campus mit Wiesen und unzähligen Gebäuden. Es gibt eine gute, breite Auswahl an Vorlesungen und Seminaren auf Englisch. Und es wird viel erwartet – vor allem an Lesepensum. Nachteil hier, dass es keine günstigen Reader gibt, stattdessen muss man sich für viel Geld die Bücher kaufen oder sich eins mit jemandem teilen und dann kopieren.

Ich würde jedem empfehlen einen Norwegischkurs zu machen. Für Deutsche ist die Sprache relativ leicht zu lernen. Wer Zeit und Lust hat, sollte bereits in Deutschland einen Anfängerkurs machen, dann kann man in Oslo mit einem Einstufungstest direkt in den trinn2-Kurs für Fortgeschrittene gehen, anspruchsvoll und zeitaufwendig, da mehrmals in der Woche, dafür lernt man aber auch einiges – nicht nur über die Sprache, sondern auch über die Kultur Norwegens. Wer noch mehr über Norwegen im Rahmen der Uni lernen möchte: Es gibt einen allgemeinen Kurs für internationale Studenten „Norwegian life and society“, eine Art Ringvorlesung, in der jede Woche in anderer Dozent aus seinem Fachgebiet berichtet (Politik, Wirtschaft, Kultur etc.). Im Fach Media and Communication werden meines Erachtens im Herbstsemester mehr Veranstaltungen angeboten als im Frühlingssemester. Das Angebot reicht von Medienökonomie über Filmwissenschaft bis Journalistik.

Wohnen

Ein WG-Zimmer in der Stadt ist eigentlich unbezahlbar, deshalb landen so gut wie alle internationalen Studenten in einem der Wohnheime, die über die ganze Stadt verteilt sind. Auch hier gibt es preisliche Unterschiede, weshalb sich die meisten für das Studentendorf Sogn oder Kringsjå entscheiden. Ein Zimmer kostet hier um die 400€. Kringsjå liegt am See Sognsvann und damit direkt am Stadtrand mit Wald und Gebirgen. Hier leben eigentlich nur internationale Studenten. Man teilt sich meist zu siebt die Küche und zu zweit ein Bad. In Kringsjå werden auch zum größten Teil die berüchtigten Pre-Kitchen-Partys gefeiert. Leider fährt nur eine T-Bane (U-Bahn) dorthin. Ich habe in Sogn gewohnt und es auch nicht bereut: unter anderem norwegische Mitbewohner und von der Anzahl der Häuser etwas gemütlicher und kleiner als in Kringsjå. Wohnungen sind für 5-6 Leute ausgelegt und mit denen teilt man sich auch eine Küche und ein Bad (Dusche und Toilette unterteilt). Zwar muss man von der T-Bane-Station noch etwa 10 Minuten leicht bergauf laufen (oder den Bus nehmen), dafür fahren hier aber auch drei T-Bane-Linien lang. Zur Uni fährt in 10 Minuten direkt ein Bus. Und wer zur Kitchen-Party nach Kringsjå will, ist mit dem Bus in 5 Minuten da oder in 10-15 Minuten auch zu Fuß. Beide Dörfer haben auch einen eigenen „günstigen“ Supermarkt.

Geld und Sparen

Oslo gehört zu den teuersten Städten der Welt. Daher muss man schon damit rechnen, monatlich etwa das Doppelte verglichen mit Deutschland auszugeben, etwa 800-900€. Jeder Einkauf tut weh – denn selbst die vermeintlichen Schnäppchen liegen noch über deutschem Preisniveau. Trotzdem besser als gar keine Schnäppchen. Einkaufen sollte man in einem der „Discounter“ Rema1000, rimi oder kiwi. Jeweils einer davon befindet sich auch direkt im Studentendorf. Aber auch hier sollte man vergleichen und bestimmte Produkte im jeweiligen Laden kaufen. Für Gemüse und Obst ist auch der Stadtteil Grønland zu empfehlen. Dort gehen die Lebensmittel meist zu deutschen Preisen, wenn nicht manchmal sogar darunter, über den Tresen.

Mit einem eigenen norwegischen Konto habe ich selbst keine Erfahrung gemacht, da mir gesagt wurde, man bräuchte die norwegische Identifikationsnummer und das dauere. Um eine Kreditkarte (Visa, Mastercard) kommt man in Norwegen aber nicht drum herum, weil hier so gut wie jeder alles damit bezahlt – vom Kaugummi bis zum Bier in der Kneipe.

Eine norwegische Handykarte ist wichtig – und ausnahmsweise auch nicht so teuer. Normalerweise werden welche vom Anbieter CHESS am Anfang des Semesters von der Studentenvereinigung verkauft.

Freizeit

In Oslo findet man jeden Tag ein neues Ausflugsziel: Eine der Oslo-Fjord-Inseln, die man mit dem Studententicket per Fähre erreichen kann – im Sommer zum Baden, faul in der Sonne liegen und grillen, im Winter für eine kleine nette, kostenlose Rundfahrt von einer Insel zur anderen, Wandertrip in die Marka, Langlauf im Winter am Sognsvann.

Oslo ist auch der perfekte Ausgangspunkt um Norwegen zu bereisen – mit Bus, Bahn oder Flugzeug gibt es Verbindungen in alle Richtungen, zu den Fjorden, nach Bergen und Stavanger, in den Norden zum Polarkreis und den Nordlichtern.

Fazit

Natürlich ist der erste Gedanke an Oslo immer wieder: TEUER. Trotzdem bleibt mir die Stadt als einzigartige Erfahrung in Erinnerung und empfehle ich jeden weiter. Das Studium war gut, Freunde finden leicht und so gut wie jeden Tag gab es eine neue Entdeckungstour in Oslo oder Umgebung. Ich persönlich tendiere auch – so wie ich es auch gemacht habe – im Frühjahrssemester zu gehen. Dann landet man zwar direkt im tiefen norwegischen Winter, erlebt aber mit wie die Tage immer heller und wärmer werden und ist mit etwas Glück auch noch am Mittsommer da.