Valencia: Anna 11-12

Nach der Ankunft:

Die ersten Tage in Valencia waren Tage der Organisation: Im International Office der Universität ließ ich mir die Bestätigung für mein Eintreffen ausstellen und auch gleich an das AAA in Leipzig faxen. Außerdem bekam ich eine Informationsmappe mit Broschüren über die Universität und Valencia und meinen vorläufigen Papp-Studentenausweis. Ich rate, die Flyer sorgfältig durchzulesen und sich selbstständig über den weiteren Ablauf der Kurswahl, über die Anfangszeiten und Orte der Kurse im Internet zu informieren. Die Informationsveranstaltung von der Uni selber empfand ich als wenig informativ und die der Fakultät war nicht direkt zu Semesterbeginn, sondern schon während ich meine Kurse besuchte – also unbedingt vorher informieren!

Dann ging es weiter mit…

Wohnung suchen:

Gerade am Anfang ist ein richtiger Stadtplan mit allen eingezeichneten Straßen und Wegen vorteilhaft, da auf den kostenlosen Karten der Stadtinformation oder Hostels nur die größten Straßen beschriftet sind.

Valencianische Wohnheime sind nicht zu vergleichen mit den Leipzigern. Die Zimmer sind teuer und sie bieten (Voll-)Verpflegung an. Deswegen habe ich mich auf die Suche nach einem WG-Zimmer gemacht. Schon vor meiner Ankunft versuchte ich, über das Internet ein Zimmer zu finden, um auf Nummer sicher zu gehen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mir nur zwei Besichtigungstermine ausgemacht habe und mich vor Ort umgeschaut habe. So habe ich meine potentiellen, teils zukünftigen, Mitbewohner kennengelernt. Ich hatte das Glück, in keiner reinen Zweck-WG zu wohnen – wir haben viel zusammen unternommen. Ich habe in einem kleinen Zimmer gewohnt, interior, also mit Fenster in den Innenhof. Das hatte im Gegensatz zu denen exterior den Vorteil, dass es nicht so laut war. Für meine Verhältnisse hat dieses kleine Zimmer völlig ausgereicht, da das Leben vor allem während den wärmeren Tagen auf der Straße stattfindet oder im Winter in den Wohnzimmern, die zum Standard einer spanischen WG gehören.

In vielen spanischen Wohnungen gibt es keine Mietverträge. Die Mietbeträge werden größtenteils ohne Nebenkosten, den gastos, angegeben – hier sollte also immer nochmal nachgefragt werden.

Universidad de Valencia - Das Studium:

Innerhalb der ersten Wochen haben die Studenten  die Möglichkeit, sich in alle Kurse hineinzusetzen. Das sollte man auch gleich vom ersten Tag an nutzen, weil an diesem die Anforderungen des Kurses vorgestellt werden. Die meisten Module bestehen aus einer Vorlesung und einem Seminar. Ich belegte auch das Fach Cinema Contemporani, das nur aus zwei Vorlesungen bestand. Da wir dort abwechselnd Filmausschnitte schauten und mit Informationen zu diesen und den jeweiligen Regisseuren versorgt wurden, war das Niveau eher gering, aber am Anfang gut für mich mit meinem Spanisch auf Anfängerniveau. Module mit Seminaren sind allerdings besser geeignet, um mit Spaniern in Kontakt zu kommen und sein Sprechen zu üben. Wer praktische Erfahrungen im Medienbereich sammeln will, hat an der UV definitiv die Chance dazu. Die Universität ist mit moderner Technik ausgestattet.

Da ich meine Kurse aus dem kompletten Angebot der verschiedenen Fachsemester wählen konnte, haben sich meine Prüfungen am Ende des Semesters überschnitten. Da heißt es E-Mails schreiben und auf die Professoren zugehen. Diese waren wirklich sehr kooperationsbereit und haben mir Ausweichtermine gegeben.

Ich kann außerdem die Exkursion der Geografiefakultät empfehlen. Im Wintersemester hatten wir die Möglichkeit für zwei Tage das valencianische Umland kennenzulernen mit Wanderung, Bootstour und Erklärungen zu Land und Leuten.

Sprache:

Ich bin nur mit Anfängerkenntnissen nach Valencia geflogen. Das ist sicher nicht gerade der einfachste Weg in einem fremden Land zurecht zu kommen und erschwert das Studieren, aber es ist machbar, zumal ich die Einheimischen als verständnisvoll und hilfsbereit kennengelernt habe. In der Stadt Valencia wurde ich nur gering konfrontiert mit der valencianischen Sprache. Diese ist gebräuchlicher in anliegenden Dörfern und kleineren Städten. Verkehrsschilder sind oft zweisprachig, die Formulare und E-Mails der Uni ebenfalls, die Straßenschilder dagegen sind auf Valenciano. Da das Kastilisch aber präsenter ist, sind mir Sprachprobleme und –verwechslungen erspart geblieben.

Der Semestervorbereitungskurs der Sprachschule Centre d‘ Idiomes verhalf mir neben dem Spanisch lernen auch erste Kontakte mit anderen Studenten zu knüpfen. Auch während des Semesters habe ich einen 60h-Kurs dort belegt, der für Erasmusstudenten 65€ kostete. Empfehlen möchte ich das Sprachaustauschsystem „Tandem“. Ich habe meine Tandempartnerin zufällig in der Bank getroffen, in der sie arbeitete. Aber auch durch Anzeigen in der Uni oder auf sozialen Netzwerken wird man fündig. Vom einfachen Treffen auf einen Kaffee mit Plauderei oder etwas verschulter, das ist ganz den Sprachpartnern überlassen - Wir haben immer einen Teil aus unseren Sprachkursbüchern gelesen, uns gegenseitig unbekannte Vokabeln erklärt, die Aussprache korrigiert und uns anschließend einfach unterhalten, was mir sehr geholfen hat.

Um der deutschen Sprache zu entgehen ist es wichtig, nicht mit Deutschen zusammenzuwohnen. Ich habe den direkten Vergleich erlebt, da ich die ersten Tage mit zwei Spaniern gelebt habe, sich jedoch die Wohnsituation für mich ungeplant dahin veränderte, dass ich nur noch mit einem Spanier und einer Deutschen zusammenwohnte, die ebenfalls kein gutes Spanisch sprach. Die Konstellation war absolut nicht förderlich für das Lernen der Sprache. Am Ende meines Semesters habe ich mit dem Spanier und einem Italiener zusammengewohnt. Wir haben nur Spanisch gesprochen, womit sich meine Sprachkenntnisse in kurzer Zeit nochmal erheblich verbesserten.

Valencia:

Valencia kam mir nicht wie eine Großstadt mit 800.000 Einwohnern vor. Zu den wichtigsten Orten konnte ich zu Fuß gehen, weitere Ziele sind problemlos und schnell mit Bus, Straßenbahn oder Metro zu erreichen. Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr gut ausgebaut. Außerdem gibt es den „Valenbisi“-Ausleihdienst von Fahrrädern, der für 18€ im Jahr genutzt werden kann. Ebenfalls kostengünstig ist der Zug, mit dem ich vor allem am Wochenende Tagesausflüge in umgebene Dörfer und Städte gemacht habe.

Trotz seiner vielen Hochhäuser ist Valencia eine grüne Stadt mit vielen Parks, wie den Jardín del Turia und den Jardines del Real. Zu genießen sind außerdem die vielen Cafes und Bars, in denen die Menschen vor allem an warmen Tagen bis in die Nacht hinein sitzen.