Valencia: Mareen 12-13

Wintersemester 2012/2013 an der Universität Valencia

Ich studiere Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Leipzig und verbrachte mein fünftes Semester an der Universitat de Valencia, an der ich „Comunicación Audiovisual“ studierte. Dafür legte ich ein Urlaubssemester ein.

Die Universität (Kurse, Prüfungen, Anrechnung)

Zunächst gab es an der Universität eine Einführungsveranstaltung, die das Immatrikulationsprocedere relativ klar erläuterte. Man hatte circa 2 Wochen Zeit, verschiedene Kurse zu besuchen und sich dann zu entscheiden, welchen man belegen möchte. Info-Material über Valenica wurde ausgeteilt, allerdings nur in Englisch und Valenciano, nicht aber auf Castellano/Spanisch. Ich belegte die Mehrzahl meiner Kurse aus dem Studiengang „Comunicación Audiovisual“ und einen in „Periodismo“(Journalismus). Soweit ich weiß, darf man 40% seiner Kurse aus einem anderen Studiengang als dem, in dem man immatrikuliert ist, wählen. In Valencia gibt es aller Hand praktisch angelegte Kurse, da ich aber vor hatte, mir so viele Kurse wie möglich anrechnen zu lassen, belegte ich fast nur Theorie-Kurse. Die Mehrheit der Kurse wird neben Valenciano auch in Castellano angeboten, außerdem gibt es kostenlose Valenciano-Sprachkurse. Der Unterricht in Spanien ist viel persönlicher, als man ihn in Deutschland gewohnt ist: Man duzt sich, es werden viele Fragen, sowohl vom Professor, als auch von Studenten gestellt, man ist definitiv nicht anonym. Vorlesungen werden oft ohne PowerPoint-Folien gehalten und falls doch, werden diese nicht online gestellt. Dies macht einem Erasmus-Studenten die Nacharbeit sehr schwer, zumal die Spanier selbst ihre eigenen Aufzeichnungen eigentlich nicht verleihen. Praktisch alle Fächer sind so aufgebaut, dass man sich in Gruppen zusammenfinden muss (zu circa 8 Personen) und eine Gruppenarbeit schriftlich und als Präsentation erarbeitet. Kurz darauf findet die Klausur statt. So kommt es, dass man sich während des Semesters intensiv mit der Gruppenarbeit beschäftigt und weniger Zeit hat, sich auf die Klausuren vorzubereiten. Leider habe ich in allen Gruppen die Erfahrung gemacht, dass vor allem Wert auf die Art der Präsentation und weniger auf den Inhalt der schriftlichen Ausarbeitung gelegt wurde. Die Klausuren sind generell sehr offen formuliert, sodass man einen Aufsatz schreiben muss. Erasmus-Studenten wurden nach meiner Erfahrung leider eher schlecht benotet. Es gab auch nicht die Möglichkeit, die Klausur durch eine Hausarbeit zu ersetzen. Letztendlich habe ich mir meine Kurse auf Grund der nicht sehr befriedigenden Noten nicht anrechnen lassen, da ich meinen Schnitt aus Deutschland nicht verschlechtern möchte. Ich denke, man kann einen Ausländer nicht genau wie einen Spanier benoten, denn es ist schlicht und einfach eine Sprachbarriere da und wenn es keine PowerPoint-Folien gibt und die Spanier ihre Aufzeichnungen nicht teilen wollen, dann hat meiner Meinung nach ein Erasmus-Student nicht die gleichen Voraussetzungen für eine Klausur wie ein Spanier und sollte auch anders benotet werden. Da eine Anrechnung von sehr guten und guten Leistungen also ziemlich schwierig werden könnte, würde ich empfehlen, lieber praxisbezogene Module zu belegen. Diese können meines Wissens nach nicht an der Universität Leipzig angerechnet werden, aber dafür lernt man eben Praxis (Kamerabedienung, Schnitt- und Layout-Programme, Photoshop), die man in Deutschland oft nur in bezahlten Kursen oder erst im Praktikum oder Berufsleben erlernt.

Die Unterkunft

In Valencia gibt es unheimlich viele freie Wohnungen, sodass ich niemanden empfehlen würde, mehr als 250€ (Nebenkosten inbegriffen) für ein Zimmer zu zahlen. Generell würde ich empfehlen nur ein Zimmer zu nehmen, in dessen Preis die Nebenkosten inbegriffen sind, da diese in Spanien sehr hoch werden können (oft Fußboden- und Elektro-Heizung bzw. Klimaanlage)! Wer im Winter geht, dem würde ich auch unbedingt eine Wohnung mit Zimmerheizung empfehlen! Natürlich wird es nicht so kalt, wie in Deutschland, aber die feuchte Luft wirkt viel kälter und die Wände sind nicht so gebaut, dass sie Wärme speichern, sondern abgeben. Ich habe mein Zimmer von Deutschland aus auf www.easypiso.com gefunden, und zwar ohne Bezahlaccount. Es ist aber auch durchaus üblich, vor Ort ein Zimmer zu suchen. Das ist kein Problem und meist auch praktisch, da man das Zimmer „live“ sieht, seine potentiellen Mitbewohner kennen lernen kann und den Sauberkeitsgrad einschätzen kann.

Verkehrsmittel

Es gibt ein recht gutes U-Bahn-System, dass auch in die umliegenden Dörfer führt, die auch mal einen Ausflug wert sind. Allerdings fahren die Bahnen ab circa 23.30h nicht mehr, was manchmal schwierig ist, da das Nachtleben eigentlich erst um 03.00h beginnt. Am besten ist man mit ValenBici unterwegs: Fahrräder, die an verschiedenen Stationen stehen und abgestellt werden können. Das kostet für ein Jahr bloß ca. 30 Euro, sofern man die Räder nach 30 Minuten wieder an einer Station abgestellt hat (sonst gibt’s Gebühren).

Das Leben vor Ort

Valencia ist toll, es gibt viel zu entdecken, es ist nicht zu touristisch und das Meer vor der Tür verschafft Urlaubs-Feeling. Ich würde jedem Erasmus-Studenten empfehlen, sich bei Happy Erasmus anzumelden. Neben tollen und vergleichsweise günstigen Reisen durch ganz Spanien und nach Portugal, gibt es verschiedene Angebote, durch die man schnell viele andere Studenten kennen lernen kann. Ohne diese Organisation wäre mein Semester nur halb so schön gewesen. Auch wenn ich mit dem Uni-System aus besagten Gründen nicht ganz zufrieden war, war es dennoch eine tolle Zeit in Valencia. Das Essen, die Sprache, Sangria & Horchata, Menschen aus aller Welt kennen zu lernen, das ist einfach wundervoll.