Wintersemester 2016/17 und Sommersemester 2017 an der Universitat de Valencia

Ich bin zum fünften Semester nach Valencia gegangen um dort „Comunicación Audiovisual“ im Rahmen des Erasmus+ - Austauschs zu studieren. Von Anfang an wollte ich gerne das komplettes Jahr im Ausland studieren und habe deswegen meinen Auslandsaufenthalt vor Ort verlängert. Für beide Austauschsemester habe ich jeweils ein Urlaubssemester eingelegt.

 

Wohnungssuche und Wohnsituation

Mit der Wohnungssuche habe ich bereits vor meiner Abreise angefangen. Dazu habe ich auf gängigen Internetseiten gesucht (z.B.: www.pisocompartido.com, www.idealista.com, www.easypiso.com). Schnell wurde mir klar, dass viele dort angebotene Wohnungen speziell für Erasmus-StudentInnen annonciert werden. Da ich aber auf jeden Fall mit Einheimischen zusammenwohnen wollte, vor allem um Spanisch zu sprechen, habe ich mich dazu entschieden, die ersten Nächte Couchsurfing zu machen um in Ruhe vor Ort suchen, Wohnungen angucken und potentielle Mitbewohner kennenlernen zu können. Der Plan hat sich bewährt und ich habe am Ende in einer wunderbaren 5er-WG mit jeweils zwei Mädchen und zwei Jungs aus Venezuela gewohnt. Da die Wohnungen in Valencia generell eher schlecht isoliert sind, kann es schon mal etwas lauter werden. Wer also bei Straßenlärm nicht schlafen kann, sollte da drauf achten, dass das Zimmer „interior“ (zum Innenhof) ist. Außerdem kann es durch die schlechte Isolation im Winter sehr kalt werden. D.h., entweder nach Wohnung mit Heizung suchen (von denen es nicht viele gibt) oder warme Sachen und Wärmflasche mitnehmen. Die Mieten in Valencia sind relativ günstig. Man kann schon für unter 200€ warm ein möbliertes und zentral gelegenes Zimmer finden. Bei der Besichtigung sollte allerdings gefragt werden, ob der Mietpreis die „gastos“ (Nebenkosten) enthält.

Ich habe im Bezirk L’Amistat gleich um die Ecke der Blasco Ibañez gewohnt. Der Blasco Ibañez-Campus der Universität, auf dem sich die Fakultät und Bibliotheken befinden, war zu Fuß nur 6 Minuten entfernt. In der Zone wohnen sehr viele StudentInnen, weshalb Bars und Restaurants generell günstig sind und auch immer was los ist. Für ein „Wohnen auf Zeit“ bietet sich die Ecke wunderbar an, da sie zentral gelegen ist und die Wege zur Altstadt, Strand, Turiapark und anderen Vierteln nicht lang sind. Andere empfehlenswerte und „schönere“ Bezirke sind Russafa, Benimaclet, Cabanyal und El Carmen.

 

Universität und Studieren

In der ersten Woche gab es mehrere Einführungsveranstaltungen, in denen die Universität und die Fakultät vorgestellt wurden. Außerdem hat man einen Beutel mit dem vorläufigen Studentenausweis, Info-Material und Broschüren über die Universität und die Stadt bekommen. Dann ging erstmal das Organisieren und das Beschaffen von Dokumenten los, die ans AAA geschickt werden mussten. Man sollte sich schon vorher über Kurse auf der Internetseite informieren und einige raussuchen. Wichtig: achtet auf die Unterrichtssprache (einige Kurse werden nur in Valenciano angeboten) und darauf, ob die Kurse im WS oder SS stattfinden!
Am Anfang können Veranstaltungen frei besucht werden und dann findet die Immatrikulation statt. Dies geschieht nicht nach dem Windhundverfahren, sondern meiner Meinung nach sehr willkürlich mit einem Blatt, was man im Auslandsamt der Fakultät abgeben muss. Sollte man einen Kurs nicht bekommen haben, der jedoch aufgrund von Anrechnungswünschen wichtig ist, kann man sich immer irgendwie reinreden, da sind die locker. Normalerweise gibt es am Ende Prüfungen oder Projektabgaben. Das Lehrangebot in Valencia ist sehr praxisnah, was eine schöne Abwechslung zu dem theorielastigen Unterricht in Leipzig ist. So habe ich z.B. Kurse belegt, in welchen wir Kurzfilme, Reportagen oder Nachrichtenbeiträge gedreht haben.

Für die Verlängerung habe ich damals das Formular des AAA sowie ein Verlängerungsformular der Uni in Valencia ausfüllen müssen und sonst gab es keine größeren Probleme. Es sollte lediglich beim International Office in Valencia nachgefragt werden, ob sie die Verlängerung auch wirklich eingetragen haben.

Wie in Leipzig werden auch an der Universitat de Valencia kostenpflichtig Sport- und Sprachkurse angeboten. Der Valenciano-Sprachkurs ist sogar umsonst.

 

Fortbewegung

Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist gut ausgebaut. Man kann Fahrkarten mit mehreren Fahrten kaufen, die somit günstiger sind. Allerdings ist alles fußläufig zu erreichen und je nachdem, wo man wohnt, benutzt man die Öffentlichen mehr oder weniger oft. Allen ans Herz legen kann ich das Fahrradleihsystem „Valenbisi“! Eine einjährige Mitgliedschaft kostet einmalig 29€ und die ersten 30 Fahrtminuten sind kostenlos, eine Überschreitung der Zeit kostet. Allerdings fährt man selten über 30 Minuten oder man umgeht die Gebühren, indem man das Fahrrad an der nächsten Station austauscht. Stationen sind überall in der Stadt zu finden und es gibt auch eine App, auf der man nachsehen kann, wo Platz zum Abstellen ist. Wenn Besuch kommt, gibt es auch einwöchige Mitgliedschaften für 13,30€.

 

Spanisches Leben

Valencia ist die drittgrößte Stadt Spaniens und hat viel zu bieten, vor allem kulinarisch. Die „desayunos populares“ in Eckbars und -cafés sind hierbei zu erwähnen. Dabei handelt es sich um ein einfaches Frühstück aus getoastetem Brot mit Tomate und Olivenöl und einem Heißgetränk für gerade mal 1,50€. Am Mittag gibt es überall günstige Bocadillos (belegte Sandwiches) und abends dann warme oder kalte Tapas in einer schönen Bodega. Bekannt für die Region ist Horchata, ein kaltes Getränk aus Erdmandeln, was normalerweise mit Fatons serviert wird. Probieren sollte man natürlich Paella, die auch aus Valencia kommt. Ausgehen ist in Valencia auch sehr günstig. Die meisten Clubs und Discotheken haben Gästelisten, auf die man sich schreiben kann und dadurch bis 2 Uhr umsonst oder vergünstig reinkommt. Es gibt auch viele Bars mit oder ohne Tanzmöglichkeiten, die durchschnittlich bis 4 Uhr geöffnet haben. Niemals vergessen sollte man die Siesta, die in einigen Teilen der Stadt streng durchgezogen wird. Man kann sich bei Happy Erasmus und ähnlichen Organisationen anmelden um auf Reisen, Parties, Sehenswürdigkeiten etc. Vergünstigungen zu bekommen. Dies ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man ein richtiges Erasmus-Semester erleben will.