Yeditepe: Aydogan 2011/2012

Yeditepe Üniversitesi | 2011/12

Jeder hat vor dem Antritt eines Auslandssemester andere Motive – für mich als Halbtürke waren dies in erster Linie, meinen eigenen Wurzeln näher zu kommen und die türkische Sprache zu lernen. Doch am Ende hat mir die Zeit in Istanbul so viel mehr gegeben: Freundschaften, Lebenserfahrung, Spaß – das Erasmus-Semester war einfach nur eine grandiose Zeit und jeder, der sich dafür entscheidet, hat schon mal sehr viel richtig gemacht. Viel Spaß in Istanbul, ihr werdet eure Zeit dort mit Sicherheit genießen!

Einreise/Visa

Flüge in die Türkei sind mit SunExpress oder Pegasus sehr billig. Ich bin sowohl hin als auch zurück für gerade einmal 60 Euro geflogen – viel preiswerter geht es echt nicht. Wenn also mal das Heimweh etwas größer werden sollte, kommt man auch für kleines Geld mal eben zurück nach Deutschland.

Die Yeditepe Universität verlangt von ihren Erasmus-Studenten ein Studentenvisum, das ihr euch auf dem türkischen Konsulat in Berlin ausstellen lassen könnt. Der Spaß kostet 60 Euro und auf deren Internetseite ist genau aufgelistet, was ihr dazu alles braucht. Ich hatte das Glück, mir das Visum nicht ausstellen lassen zu müssen, da ich eine sogenannte Mavi Cart besitze. Viele Türken mit deutschem Pass haben dieses Ausweisdokument, dass sie unter anderem zum unbegrenztem Aufenthalt in der Türkei berechtigt. Vielleicht noch ein Wort zum Preis für das Visum: 60 Euro sind nicht wenig, aber die Holländer etwa zahlen mehr als 400 Euro dafür.

Nach eurer Ankunft in Istanbul müsst ihr noch zusätzlich eine Aufenthaltsgenehmigung holen. Wofür das gut sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Genaures kann ich dazu auch nicht sagen, weil ich mir das Dokument als Besitzer einer Mavi Cart nicht holen musste. Hier gilt also: Einfach holen, nicht viel drüber nachdenken. Wie das genau funktioniert, das wird euch auch nach der Ankunft noch einmal erklärt.

Wohnung

Ich hatte das Glück, dass mein Onkel mir bereits vor meiner Ankunft eine Wohnung in Campusnähe organisieren konnte. Doch auch jene, die dieses Glück nicht haben, brauchen sich keine Sorgen machen. Denn selbst vor Ort lässt sich jederzeit noch eine gute und preisgünstige Unterkunft finden.

Wer unbedingt vor der Ankunft in Istanbul die Unterkunftsfrage lösen möchte, kann beispielsweise mal auf Craig's List (www.craigslist.com) vorbeischauen. Dort finden sich häufig interessante WG-Angebote oder ähnliches. Ansonsten könnt ihr beispielsweise erst einmal eine Woche auf dem Campus wohnen und dann mithilfe der Buddies vor Ort nach einer Bleibe schauen – entweder in der Nähe der Uni oder zum Beispiel im etwa 40 Minuten entfernten Kadiköy.

Die Preise sind etwa mit Leipzig vergleichbar. Für ein Zwei-Zimmer-Apartment zahlt ihr etwa 300 Euro zusätzlich Nebenkosten. Ein vernünftiges WG-Zimmer bekommt ihr inklusive Nebenkosten für knapp mehr als 200 Euro.

Yeditepe Üniversitesi


Wer den Leipziger Campus und seine üppige Begrünung auch so sehr liebt wie ich (Vorsicht: Ironie!), der wird sich echt freuen, wenn er den ersten Fuß auf den Yeditepe Campus setzt. Die Anlage ist riesig groß, sehr grün und hat dadurch ein bisschen etwas von Ferienressort. Ihr bekommt dort an sich auch alles, was ihr braucht: Dort gibt es einen Arzt und Apotheke, eine Bank und Geldautomaten, Friseur, Supermarkt, Souvenirladen. Der Campus ist wie eine kleine Stadt in sich.

Unterrichtssprache an der Yeditepe ist Englisch, nicht alle Dozenten halten sich aber daran – auch mit Rücksicht auf die Studierenden, denen der Unterricht in der Fremdsprache oft schwerfällt. Ihr könnt aber immer darum bitten, dass die Dozenten eben doch auf Englisch unterrichten. Die meisten haben dann einsehen und kommen euch gerne entgegen. Es gibt zum Teil auch Kurse in Deutsch oder Französisch – ich weiß aber nicht, welche genau.

Für mich war es mit der Kurswahl etwas schwierig. Für Journalistik-Master-Studierende ist das Angebot im Communication Department nicht gerade üppig, weshalb ich mir auch Kurse aus anderen Fakultäten gesucht habe. Das hat Nerven gekostet und Zeit gedauert, aber ich wurde stets von der Department-Koordinatorin Ahu Erdogdu sehr unterstützt. Sie ist sehr hilfsbereit und kümmert sich sehr intensiv um jeden Einzelnen. Generell gilt, dass es unproblematisch ist, auch in Istanbul seine komplette Kursauswahl noch einmal umzuschmeißen. Was die Qualität der Lehre angeht habe ich dann verschiedene Erfahrungen gemacht – von wirklich hervorragend bis total grottig.

Istanbul

Ich habe niemand getroffen, der Istanbul nicht faszinierend und verrückt fand. Die Stadt ist einfach großartig. Das geht los mit der unheimlichen Menge an Menschen die dort leben (13, 15 oder doch 20 Millionen, so genau weiß das keiner...), das geht weiter mit dem total verrückten Verkehr und das endet schließlich bei der riesigen Fülle an Dingen, die man in dieser Stadt unternehmen kann – egal ob Party, Kultur oder Sport.

Am Anfang dachte ich, dass ich ewig brauche, um mich in diesem Moloch zurechtzufinden. Doch dann ging es doch überraschend schnell. Meistens bewegt man sich ohnehin in den bekannten Radien, und wenn man dann doch mal einen Ort ganz wo anders besuchen möchte, dann findet sich schon ein Weg dort hin. Wege von mehr als zwei Stunden Dauer sind dabei allerdings nichts Ungewöhnliches, vor allem in der Rush Hour.

Istanbul hat unheimlich viele unterschiedliche öffentliche Verkehrsmittel: Metro, Straßebahn, Metrobus, Bus, Fähre... Ihr werdet sie mit Sicherheit alle mal benutzen. Dafür braucht ihr eine für Studenten ermäßigte Istanbul Kart, die ihr jederzeit mit einem frei wählbaren Betrag aufladen könnt. In der Regel bekommt ihr diese Karte in einem I.E.T.T.-Büro in Kadiköy. Früh aufstehen lohnt sich, ich habe dort nämlich einen kompletten Tag mit Warten verbracht, weil ich zu spät meine Nummer gezogen habe. An sich sind die Verkehrsmittel übrigens sehr billig: Eine Metrofahrt kostet etwa nur 40 Kurus (etwa 15 Cent).

Weggehen


Weggehen geht in Istanbul eigentlich überall – in allen Zentren der Stadtteile gibt es nette Bars, in denen man etwa ein paar Bier trinken oder Wasserpfeife rauchen kann. Für Clubbesuche bietet sich die Istiklal Caddesi im Stadtteil Beyoglu an. Rund um den Taksim-Platz gibt es unzählbare coole Clubs, die nicht selten echt imposante Dachterrassen haben, auf den man über den Dächern der Stadt Party machen kann.

Wer etwas mehr ausgeben möchte, der kann auch in Ortaköy unterhalb der Bosporusbrücke feiern gehen. Dort sind die Clubs entsprechend auch etwas schicker und dort tummelt sich auch die Istanbuler Prominenz in den Nächten.

Türkei-spezifisch ist übrigens ein Besuch in einem Meyhane oder Fasil. Türken treffen sich dort gern, um mit Freunden Fisch zu essen, Raki zu trinken und Live-Musik zu lauschen. Ich persönlich mochte diese Abende sehr.

Leute

Ich fand es sehr bereichernd, nicht immer nur mit Erasmus-Studierenden sondern auch mit einheimischen Studierenden abzuhängen – nicht nur, um mein Türkisch zu verbesseren. Mit deren Hilfe bekommt man einfach einen besseren Eindruck von dem Land selbst und bekommt darüber hinaus ein Gefühl dafür, wie die Seele von türkischen Jugendlichen tickt. Ich wurde zum Teil auch zu denen nachhause eingeladen und habe Eltern und Geschwister kennengelernt.

Generell sollte man in Istanbul nicht jedem trauen. Auf den Straßen sind viele Nepper und Schlepper unterwegs. Aber wenn man diesen mit Vorsicht begegnet, kann einem in Istanbul eigentlich nicht viel passieren. Denn für eine Metropole ist Istanbul ein sehr sicherer Ort.